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Ehefrau nimmt Einbauküche mit

Nach der Trennung streiten Eheleute um eine Küche, zu der beide Möbel beigesteuert haben

2007 war die Frau zu ihrem Freund gezogen. Sie hatte ihre Küche mitgebracht, die im Einfamilienhaus des Mannes eingebaut wurde. Zusammen mit weiteren Teilen der gleichen Möbelserie, die der Freund für über 3.000 Euro dazugekauft hatte. Zwei Jahre später heiratete das Paar, Anfang 2013 zog die Ehefrau mit den zwei gemeinsamen Kindern aus.

Bei der Trennung nahm die Frau die Küche mit — inklusive aller Teile, die erst 2007 angeschafft wurden. Es folgte ein juristisches Tauziehen. Seine Frau habe "die Möbel bewusst und im Wissen um sein Eigentum entwendet", warf ihr der Mann vor. Er forderte Ersatz für den Restwert von 2.405 Euro. Dagegen wandte die Frau ein, sie habe auch an den vom Mann gekauften Küchenteilen Eigentum erworben, weil diese mit ihrer Küche zusammen montiert worden seien.

Während des laufenden Rechtsstreits zog die Frau mit den Kindern erneut um und verkaufte die Küche teilweise an die Nachmieter. Sofern sie auch neuere Teile verkauft habe, die ihm gehörten, müsse sie deren Wert ersetzen, verlangte nun der Ehemann. Die restlichen, von ihm angeschafften Küchenteile müsse sie zurückgeben. So sah es auch das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz (13 UF 477/16).

Soweit die Frau 2007 erworbene Küchenteile verkauft habe, stehe der Erlös dem Ehemann zu. Denn der sei immer noch Alleineigentümer dieser Küchenbestandteile: Durch die gemeinsame Montage mit der Küche der Frau seien sie keineswegs in deren Eigentum übergegangen. Serienmäßig hergestellte Küchen, die nach Baukastensystem zusammengefügt werden, könne man problemlos trennen, ausbauen und an anderer Stelle und in anderer Kombination neu montieren.

Solche Küchen würden durch den Einbau weder zum Bestandteil des Wohngebäudes, noch ändere sich durch den Einbau bzw. durch die Verbindung mit weiteren Küchenmöbeln etwas an den Eigentumsverhältnissen. Die Frau habe auch keinen Anspruch darauf gehabt, dass ihr der Ehemann beim Auszug seinen Anteil an der Küche zum Gebrauch überließ. Das hätte sie nur verlangen können, wenn sie die Küchenteile für ihren eigenen Haushalt dringender benötigt hätte als der Mann. Das sei aber nicht der Fall gewesen, da sie über ausreichend finanzielle Mittel verfüge, um Ersatz zu beschaffen.

Oldtimer

Ex-Ehemann "jobt" als Diskjockey

Nicht immer erhöht ein Zusatzverdienst den Unterhalt für die geschiedene Frau

Eine geschiedene Ehefrau verlangte von ihrem Ex-Mann mehr Unterhalt. Ihr "Verflossener" arbeitete nämlich neben seinem Hauptberuf zusätzlich als Diskjockey. Die Nebeneinkünfte aus dieser Tätigkeit waren jedoch bei der Berechnung des Scheidungsunterhalts nicht berücksichtigt worden.

Das Oberlandesgericht Stuttgart verneinte einen Anspruch der geschiedenen Ehefrau auf höhere Unterhaltszahlungen (18 WF 67/95). Im konkreten Fall sei der Zusatzverdienst des Ehemannes nicht zu berücksichtigen, weil er in seinem Hauptberuf bereits nicht unerhebliche Überstunden leiste. Deshalb zahle er ohnehin schon einen Unterhaltsbetrag, der deutlich über dem Mindestbedarf liege.

Recht kurios

Liebenswerter Nachbar

Reihenhausbesitzer müllt Terrasse seines Kontrahenten zu: Unterlassungsklage erfolgreich

In der Reihenhausanlage stritten zwei Nachbarn hartnäckig miteinander. Da Herr A lautstark verkündet hatte, er werde das Nachbargrundstück von Herrn B "zumüllen", vermutete jeder in A den Übeltäter, als auf der Terrasse von B ein Berg Hausmüll abgeladen wurde. Doch niemand hatte ihn gesehen.

Anders beim zweiten Mal, als Herr B nach einem Kurzurlaub mit seiner Frau wieder einen Haufen Müll auf der Terrasse vorfand. Diesmal meldete sich sofort eine Nachbarin. Sie habe nachts draußen nach ihrer Katze gesehen und dabei beobachtet, wie Herr A einen Müllsack auf die Terrasse warf.

Nun forderte Herr B vom Störenfried eine Unterlassungserklärung - zu Recht, wie das Amtsgericht München entschied (231 C 28047/10). Als Eigentümer des Grundstücks könne Herr B verlangen, dass A die Terrasse nicht mehr beeinträchtige. Dass er es war, der beim zweiten Mal den Unrat im Garten abgeladen habe, stehe fest.

Das Gericht ging davon aus, dass Hauseigentümer A auch beim ersten Mal der Täter und zudem finster entschlossen war, die "Müllaktion" zu wiederholen. Sollte sich das bewahrheiten, drohe ihm Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten.

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