Ausgewählte Urteile

Artikel des Tages

Tüftler will Bankomaten verbessern

Geldautomat mit Leseeinrichtung für Personalausweise erhält kein Patent

Ein Tüftler reichte beim Deutschen Patent- und Markenamt einen Patentantrag ein. Seiner Ansicht nach verdiente sein Verbesserungsvorschlag für Geldautomaten ein Patent. Die Erfindung bestehe darin, den Geldautomaten mit einer Leseeinrichtung für den Personalausweis des Bankkunden zu verbinden.

Doch weder das Patentamt, noch das Bundespatentgericht hielten diese Idee für eine technische Innovation, sprich: eine Erfindung. Der Patentantrag fiel deshalb durch (20 W (pat) 84/13). Das Gericht verwies auf eine ältere Patentschrift, die einen Geldautomaten mit Lesegerät (Kartensensor) für Identifikationskarten beschreibe. Das sei längst bekannt. IC-Karten speicherten persönliche Informationen ("One-Chip-IC"), die man mit einem Lesegerät erfassen könne.

Der einzige Unterschied sei darin zu sehen, dass der Kartensensor beim angestrebten Patent speziell für Personalausweise eingesetzt werden solle. Dieser Gedanke liege jedoch für einen Fachmann — d.h. für einen Elektrotechniker mit Erfahrungen in der Konstruktion von Lesegeräten für Geldautomaten — durchaus nahe. Mit Kartensensoren könne man jeden "Gegenstand" mit lesbaren Identifizierungsmerkmalen auslesen.

Für einen Personalausweis müsse man die technischen Eigenheiten des Lesegeräts nicht verändern. Neue Personalausweise hätten Speicherchips, z.B. RFID-Chips mit persönlichen Daten, die es ermöglichten, den Besitzer eindeutig zu identifizieren. Moderne Geldautomaten, die der erwähnten Patentschrift entsprächen, hätten Berührungsbildschirme, um Informationen zu empfangen, und einen Kartensensor, der Daten auswerte.

Oldtimer

Waldhaus wird abgerissen

Umbau gefährdet "Bestandsschutz" für ein an sich "nicht genehmigungsfähiges" Wohngebäude im Wald

1948 erteilte die Baubehörde eine Baugenehmigung für ein Haus mitten im Wald. So ein Bauvorhaben würde im "Außenbereich" heute nicht mehr zugelassen. Da das Wohngebäude aber damals genehmigt worden war, genoss es Bestandsschutz. Als es 1985/86 völlig umgebaut wurde, ordnete die Baubehörde allerdings den Abbruch an. Begründung: Durch den weitgehenden Umbau sei der Bestandsschutz erloschen.

Dagegen wehrte sich die Eigentümerin und verwies auf ein Haus in der Nachbarschaft, dessen Umbau genehmigt worden sei. Die Behörde müsse die beiden Fälle gleich behandeln, selbst wenn die Erlaubnis für das Nachbarhaus rechtswidrig erteilt worden wäre. Nach einem Urteil des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts blieb es jedoch bei der Abrissverfügung (1 L 4223/93). Die Baubehörde müsse nur gleichartige Fälle gleich behandeln, hier gebe es aber wesentliche Unterschiede.

Im Gegensatz zum Nachbargebäude habe das Haus der Klägerin durch den Umbau ein völlig anderes Aussehen erhalten. Außerdem stehe jetzt seit neun Jahren ein Torso in Gestalt eines Rohbaus in der Landschaft, den so niemand nutzen könne. Das Nachbarhaus, das trotz illegalen Umbaus stehen bleiben dürfe, befinde sich auch näher an der Straße und an den Gebäuden eines ehemaligen Gutshofes. Daher bestehe in diesem Fall weniger die Gefahr, dass es einer unerwünschten Splittersiedlung im Wald Vorschub leiste.

Recht kurios

All-Inclusive-Reisende nach Hause geschickt

Ist es zu tolerieren, wenn sich Urlauber während einer All-Inclusive-Reise daneben benehmen?

Ein deutsches Paar, das im Sommer 2011 Urlaub in der Türkei machte, musste vorzeitig die Koffer packen. Für 1.043 Euro hatten die Urlauber bei einem Reiseveranstalter eine All-Inclusive-Reise gebucht. Angeblich störten sie im Hotel durch lautstarken Streit wiederholt die Nachtruhe anderer Gäste, die sich massiv beschwerten. Dass dies mehrmals passierte, stritt das Paar später ab.

Fest steht jedoch, dass die Hotelleitung mindestens einmal die Polizei rief, um das betrunkene Paar zur Vernunft zu bringen. Der Hotelchef verwies die Urlauber des Hauses. Der Reiseleiter des Reiseveranstalters brachte das Paar in ein anderes Hotel. Sogleich nach der Ankunft kam es dort an der Poolbar wieder zu einer Auseinandersetzung. Daraufhin weigerte sich das zweite Hotel, die Reisenden aufzunehmen.

Sie mussten den Urlaub abbrechen und für die vorzeitige Heimreise Flugtickets kaufen. Vom Reiseveranstalter verlangte der Kunde Ersatz für die zusätzlichen Reisekosten und eine Minderung des Reisepreises. Zu Recht, wie das Amtsgericht Viersen entschied: Der Reiseveranstalter hätte den Reisevertrag mit den Urlaubern nicht kündigen dürfen (2 C 446/11).

Die Begründung des Amtsgerichts klingt wie eine Generalabsolution für All-Inclusive-Urlauber: Eine lautstarke Auseinandersetzung genüge nicht, um eine Kündigung zu rechtfertigen — selbst wenn der Kunde und seine Lebensgefährtin tatsächlich betrunken herumgebrüllt hätten. Denn da sei der Charakter der Reise zu berücksichtigen.

Bei All-Inclusive-Reisen bekomme der Reisende für einen Pauschalpreis Essen und Getränke, auch alkoholische, in unbegrenzter Menge. Bei Billigreisen dieser Art stelle es geradezu ein "typisches Reiseverhalten dar", reichlich Alkohol zu konsumieren. Verfehlungen der Urlauber seien vor diesem Hintergrund zu tolerieren; jedenfalls in einem höheren Maß, als das bei anderen Pauschalreisen der Fall wäre.

Dass ein Beziehungsstreit durch Alkoholgenuss in einem Einzelfall eskaliere, sei zur Nachtzeit für andere Gäste ärgerlich. Die Urlauber deshalb nach neun Tagen Sommerurlaub heimzuschicken, obwohl sie 18 Tage gebucht haben, sei trotzdem überzogen. Dass die Frau in ihrem Ärger "So ein Scheißland" gerufen habe, ändere daran nichts. Das sei kein fremdenfeindliches Auftreten, sondern eine unglückliche Äußerung in emotional aufgeladener Situation.

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