Beim Longieren Finger gebrochen

Arbeitsunfall: Die Besitzerin eines Traberstalles schuldet ihrer Freundin kein Schmerzensgeld

onlineurteile.de - Pferdeliebhaberin A betreute und longierte gerne in ihrer Freizeit die Trabrennpferde einer Freundin, nahm auch schon mal an einem Rennen teil. Die Freundin züchtet Pferde und betreibt einen Traberstall, in dem normalerweise ein hauptberuflicher Pferdetrainer die Tiere auf die Rennen vorbereitet. Wenn er keine Zeit hatte, sprang Frau A ein und trainierte die Pferde, mit Wissen und Billigung der Züchterin.

Eines Tages kam es zu einem Unfall, als die Freizeittrainerin das Pferd N longierte. Aus unbekanntem Grund erschrak N plötzlich und wollte sich von der Leine losreißen. Bei dem Versuch, das in Panik geratene Tier festzuhalten, verhakte sich die Schlaufe der Longe am Ringfinger von Frau A. Weil N weiter daran zerrte, erlitt die Frau eine Fraktur des Ringfingers. Obwohl er sofort behandelt und eingegipst wurde, konnte sie den Finger auch Monate später kaum bewegen.

Von der Züchterin forderte Frau A Schadenersatz für Verdienstausfall während der Heilbehandlung und 6.000 Euro Schmerzensgeld: Als Tierhalterin müsse sie für den Schaden einstehen, den ihr Pferd N verursacht habe. Doch das Landgericht Duisburg wies die Klage ab und erklärte der Hobbytrainerin, sie müsse sich an die gesetzliche Unfallversicherung wenden (6 O 395/12). Denn hier handle es sich um einen Arbeitsunfall.

Wer gewerbsmäßig Pferde züchte und einen Trabrennstall betreibe, sei Unternehmer. Unternehmer müssten für Unfälle von Personen, die für ihr Unternehmen tätig seien, nur haften, wenn sie selbst einen Unfall vorsätzlich herbeiführten. Davon könne hier keine Rede sein. In (fast) allen anderen Fällen sei der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für die Unfallfolgen zuständig — so auch hier.

Als Hobbytrainerin habe sich Frau A im Interesse der Züchterin für das Unternehmen nützlich gemacht. Frau A habe selbst betont, dass sie Trainingsmaßnahmen durchgeführt habe, die auch zu den Arbeitspflichten eines professionellen Pferdetrainers gehörten. Da sie dies regelmäßig tat und dafür sehr viel Zeit aufwandte, gehe dieser "Hilfsdienst" weit über eine bloße Gefälligkeit unter Pferdefreunden hinaus. Frau A sei für ihre Freundin, die Unternehmerin, "wie eine Beschäftigte" tätig gewesen und damit gesetzlich unfallversichert.