Volltrunken verunglückt

Arbeitnehmer auf dem Heimweg vom Auto erfasst: Die gesetzliche Unfallversicherung muss zahlen

onlineurteile.de - Wer auf dem Weg von der Arbeit nach Hause verunglückt, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das gilt jedoch nicht, wenn der Unfall allein darauf zurückzuführen ist, dass der Verletzte zu tief ins Glas geschaut hat. Das Sozialgericht Mainz war daher der Meinung, dass einem Arbeiter keine Leistungen der Unfallversicherung zustehen: Der Mann war mit 3,55 Promille Alkohol zu Fuß auf einer Bundesstraße von der Arbeit nach Hause gegangen und zwei Meter vom Fahrbahnrand entfernt von einem Auto erfasst worden.

Das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz entschied jedoch zu Gunsten des Fußgängers (L 3 U 251/94). Der Unfall hätte nur dann die wesentliche Ursache im Alkoholkonsum gehabt, wenn der Betrunkene überhaupt nicht mehr verkehrstüchtig gewesen wäre. Immerhin sei er aber nach Aussage von Kollegen bis zum Arbeitsschluss zu einer "zweckgerichteten Tätigkeit" fähig und noch in der Lage gewesen, sich auszuziehen, sich zu duschen und sich wieder "ordnungsgemäß" anzukleiden.

Trotz erheblicher Ausfallerscheinungen habe der Mann auch die richtige Richtung eingeschlagen und einen Teil des Heimwegs bewältigt. Der Unfallversicherungsschutz könne deshalb nicht verweigert werden. Schließlich sei auch der Autofahrer mit über 1,1 Promille beträchtlich alkoholisiert gewesen, was ebenfalls als Unfallursache in Betracht komme.