100.000 km mehr auf den Rädern

Beschaffenheitsgarantie für Tachostand beim Gebrauchtwagenkauf?

onlineurteile.de - Der Schwiegervater einer Autokäuferin verhandelte mit dem Autohändler und wollte alles ganz genau wissen: Durch wie viele Hände der Mercedes Kombi (Erstzulassung 1995) gegangen und ob er unfallfrei war. Besonders interessierte ihn, wie viele Kilometer das Auto hinter sich hatte und ob der abgelesene Tachostand von 207.172 km wirklich der Gesamtfahrleistung entsprach. Das bejahte der Verkäufer. Den Vertrag mit dem Voreigentümer und das Scheckheft konnte der Autohändler zwar nicht vorzeigen. Dennoch war der Kunde zufrieden, zumal er den Preis von 11.300 Euro auf 10.000 Euro herunterhandeln konnte.

Wenige Wochen nach dem Kauf stellte sich allerdings heraus, dass der Tacho gewaltsam um 100.000 oder gar 200.000 km zurückgedreht worden war. Auf die Klage der Käuferin entschied das Oberlandesgericht Koblenz, dass der Gebrauchtwagenhändler das Fahrzeug zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten muss (5 U 1385/03).

Die Parteien bei diesem Geschäft hätten zusammen den Kilometerstand abgelesen und in den Kaufvertrag übertragen. Darauf dürfe die Käuferin vertrauen. Da der Tacho nicht stimmte, sei der Wagen mangelhaft. Auf den vertraglich vereinbarten Ausschluss der Gewährleistung für Mängel könne sich der Händler nicht berufen. Da der Verkäufer bei den Kaufverhandlungen auf die Frage des Begleiters der Kundin ausdrücklich erklärte, Tachostand und Gesamtfahrleistung stimmten überein, habe er damit eine Garantie für diese Beschaffenheit des Fahrzeugs übernommen. (Die zwischen Kauf und Rückgabe gefahrenen Kilometer musste sich die Käuferin anrechnen lassen.)