118.000 Euro im Müll

Der Finder beansprucht die Fundsache, doch das Geld kassiert der Abfallwirtschaftsverband

onlineurteile.de - Der Mann traute seinen Augen nicht, als er auf einem Wertstoffhof Papiermüll entsorgte. Im Papiercontainer fand er eine schwarze Aktenmappe - mit 236 Banknoten zu je 500 Euro! Der ehrliche Finder zeigte seinen Fund an und gab die Mappe beim Fundamt ab. Danach war Funkstille, es meldete sich kein Eigentümer.

Nach einem halben Jahr rührte sich der Finder wieder und verlangte das Geld. Er sei jetzt rechtmäßiger Eigentümer, meinte er, und im Prinzip stimmt das auch: Ist der Eigentümer einer Fundsache nicht auffindbar, erwirbt der Finder nach Ablauf von sechs Monaten das Eigentum an der Sache. In diesem Fall jedoch nicht, musste der düpierte Finder von den Juristen erfahren.

Das Landgericht Landshut wies seine Klage gegen den Abfallwirtschaftsverband ab (43 O 1224/04). Der Fundort Wertstoffhof gehöre indirekt zur Staatsverwaltung, stehe unter staatlicher Aufsicht. Der Abfallwirtschaftsverband erfülle eine öffentliche Aufgabe. Deshalb handle es sich hier um einen "Behördenfund". Im Bereich von Behörden gelte nicht das allgemeine Fundrecht, sondern besondere Regelungen. Anders als nach den allgemeinen Fundvorschriften bekomme hier der Finder nur Finderlohn, erwerbe aber nicht das Eigentum an der Fundsache. Wie groß die Enttäuschung des Mannes nach diesem Urteil war, kann man sich vorstellen.