"400 Gramm Hähnchenfilet"

Reklame kann trotz korrekt benanntem Grundpreis der Ware irreführend sein, wenn die Gewichtsangabe nicht stimmt

onlineurteile.de - In einem Werbeflyer bot ein Discounter unter anderem Hähnchen-Innenfilets an. Unter dem Bild einer 400-Gramm-Packung stand — durchgestrichen — der übliche Preis von 2,89 Euro, daneben der Aktionspreis von 2,69 Euro. Aktionspreis und Gewichtsangabe waren dick gedruckt und nochmals betont durch unterlegte, knallige Farben. Sehr klein gedruckt in Klammern konnten die Verbraucher den Grundpreis des Produkts finden: "7,69/kg" (Preis pro Kilogramm Hähnchenfilet).

Der Haken: Während das Sonderangebot galt, verkaufte der Discounter überhaupt keine 400-Gramm-Packungen vom Hähnchen-Innenfilet. Es gab nur Packungen mit 350 Gramm. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs beanstandete deshalb die Werbung als irreführend: Wenn ein Reklameflyer die Gewichtsangabe von 400 Gramm besonders hervorhebe, erwarte der Verbraucher auch 400 Gramm Hähnchenfleisch und nicht weniger.

Dieses kleine Versehen täusche doch den gut informierten und kritischen Verbraucher von heute nicht, konterte der Discounter. Da er im Werbeflyer den Grundpreis für die Filets korrekt angegeben habe, könnten sich Verbraucher unschwer selbst ausrechnen, wie viel Ware sich in der Packung befinde. Mit dieser Argumentation konnte das Unternehmen das Landgericht Amberg nicht überzeugen (41 HK O 116/12).

So dürfe der Discounter für Sonderangebote nicht werben, urteilte das Gericht. Die Reklame erwecke beim Leser den falschen Eindruck, er bekomme beim Discounter wirklich 400-Gramm Hähnchenfilets für 2,69 Euro. Dass der Grundpreis stimme, sei nicht geeignet, diesen falschen Eindruck zu korrigieren. Sollte ein Kunde die Zahlen tatsächlich nachrechnen, werde er wohl eher annehmen, dass der Kilo-Preis im Flyer falsch angegeben sei — da die Reklame den Angebotspreis für 400 Gramm so überaus auffällig hervorhebe.