Absturz im Klettergarten

Löst der Sicherungspartner die Seilbremse regelwidrig, haftet er für die Unfallfolgen

onlineurteile.de - Eine 40-jährige Bochumerin ging mit einem Bekannten zum Klettern. Im Klettergarten stieg die Frau in eine Übungswand, gesichert im Top-Rope-Verfahren.

Dabei wird das Klettergeschirr am Sicherungsseil befestigt, am oberen Ende der Kletterwand ist ein Umlenker fixiert. Das Seil verläuft vom Kletterer aus nach oben zum Umlenker und wieder hinunter zum Sicherungspartner. Der darf die Seilbremse erst lösen, wenn der Kletterer von ganz oben — mit dem Kommando "Stand" — signalisiert, dass er/sie sicher steht.

Als die Bochumerin bis zum Umlenker geklettert war, löste ihr Sicherungspartner die Seilbremse, ohne dieses Kommando erhalten zu haben. Die ungesicherte Frau stürzte aus etwa 15 Metern Höhe zu Boden und verletzte sich schwer. Den Kletterpartner verklagte sie auf Zahlung von Schadenersatz, weil er für den schlimmen Unfall verantwortlich war.

Vergeblich wandte er ein, bei Risikosportarten werde doch stillschweigend ein Haftungsausschluss vereinbart oder wenigstens die Haftung auf grobe Regelverletzungen beschränkt. Ein grober Regelverstoß sei es beim Klettern allemal, das Kommando "Stand" nicht abzuwarten und die Seilbremse vorzeitig zu lösen, urteilte das Oberlandesgericht Hamm (9 U 124/13).

Auf einen Haftungsausschluss könne sich der Bekannte nicht berufen. Zwar sei Klettern auch im Kletterpark mit einem gewissen Risiko verbunden. Die Verletzungsgefahr sei aber geringer als bei einem Kampfsport wie Eishockey oder Fußball. Da setzten sich alle Mitspieler einem Verletzungsrisiko aus, wenn sie im Wettkampf gegeneinander antreten. Das liege in der Natur der Sache.

Beim Klettern dagegen sicherten sich zwei Partner wechselseitig, es bestehe klare Arbeitsteilung. Der Kletternde konzentriere sich aufs Klettern, der Sichernde darauf, den kletternden Partner abzusichern. Durch das Sicherungssystem mit Seil und Umlenker sei das Risiko kontrollierbar — es sei denn, der Sichernde begehe einen groben Fehler. Dafür schulde der unaufmerksame Partner der verunglückten Frau umfassenden Schadenersatz.