Achtjähriger Inline-Skater stößt mit Roller-Fahrer zusammen

Schmerzensgeld-Ansprüche gegen Kinder halten sich in Grenzen

onlineurteile.de - Der Bub war gerade acht Jahre alt geworden, als er eines nachmittags mit seinen Freunden skaten ging. Viel Verkehr gab es nie in dem Wohngebiet, nur 30 km/h waren erlaubt. Einige Kinder hatten die Straße schon überquert, da blieb der Achtjährige am Rand stehen und hielt nach fahrenden Autos Ausschau.

Hatte der Junge den Motorroller übersehen oder dessen Geschwindigkeit unterschätzt? Jedenfalls berührten sich die beiden, der 65-jährige Fahrer des Rollers stürzte und brach sich den Oberschenkelhals. Die Unfallfolgen waren für den Mann gravierend, denn er musste sich ein künstliches Hüftgelenk einsetzen lassen. 15.000 Euro Schmerzensgeld überwies ihm die Haftpflichtversicherung des Jungen. Das war aus Sicht des Verletzten nur ein Anfang, er verlangte 50.000 Euro.

Doch das Oberlandesgericht Frankfurt erklärte, 15.000 Euro seien mehr als genug (24 U 165/03). Kinder unter zehn Jahren seien nicht in der Lage, den Anforderungen des heutigen Straßenverkehrs gerecht zu werden. Ein Achtjähriger könne die Geschwindigkeit von Fahrzeugen nicht einschätzen, auch nicht seine eigene. Also sei ihm auch keine "Fahrlässigkeit" vorzuwerfen. Zudem sei in diesem Alter der Spiel- und Bewegungsdrang noch sehr stark ausgeprägt.

Demgegenüber sei auch nach der Mitverantwortung des Verletzten zu fragen: Wenn er sich mit seinem Motorroller einer Gruppe spielender Kinder nähere, müsse er besonders vorsichtig fahren. Jedenfalls sei sogar in Fällen, in denen den Unfallverursacher eine weit größere Schuld treffe, dem Unfallopfer schon weniger Schmerzensgeld zugesprochen worden.