Aktienfonds zur Alterssicherung

Bank haftet für schlechte Beratung einer Kundin

onlineurteile.de - Die 60-jährige selbstständige Unternehmerin ließ sich bei einer Bank über Geldanlagen beraten, denn sie wollte zur Altersvorsorge eine größere Summe anlegen. Mit zwei Bankmitarbeitern erörterte sie die Möglichkeiten und wurde im Gespräch auch auf die Risiken von Aktienfonds hingewiesen. Die Kundin entschied sich dennoch für eine Anlage ausschließlich in Aktienfonds. Das erwies sich als reines Verlustgeschäft: Die für 134.469 Euro gekauften Fondsanteile schrumpften auf 68.681 Euro. Daraufhin verklagte die Frau das Kreditinstitut auf Schadenersatz.

Das Oberlandesgericht Jena verurteilte die Bank, den Verlust auszugleichen (5 U 693/04). Beratung müsse der Person des Kunden, seinem Wissensstand, seiner Risikobereitschaft und seinem Anlageziel gerecht werden. Im konkreten Fall habe die Kundin ihr Alter absichern wollen, da sie nur geringe Rentenansprüche besaß.

Einen Geldbetrag, der zur Altersvorsorge bestimmt sei, dürfe man nicht ausschließlich in Aktienfonds mit mittlerem bis hohem Risiko investieren - erst recht nicht, wenn die Anlegerin schon 60 Jahre alt sei. Die Bankmitarbeiter hätten explizit davor warnen und empfehlen müssen, vom Kauf der Fondsanteile abzusehen. Allgemeine Hinweise auf Risiken und auf die Existenz anderer Anlagemöglichkeiten reichten unter diesen Umständen nicht aus. Man hätte der Kundin außerdem raten müssen, nicht nur eine einzige Anlageform zu wählen. Hätte sich die Kundin trotz eindringlicher Warnung zu dem riskanten Geschäft entschlossen, wäre die Bank aus dem Schneider gewesen.