Alaskareise ohne "Insidepassage"

Streit um Bemessungsgrundlage für die Minderung des Reisepreises

onlineurteile.de - Ein Münchner Reiseveranstalter warb für eine Alaskareise im Sommer: Als besonderen Höhepunkt stellte er im Reiseprospekt heraus, dass die Teilnehmer dreimal mit der Fähre die "nördliche Insidepassage" durchqueren würden. Das schien einem Ehepaar so verlockend, dass es die 20-tägige Reise zum stolzen Preis von 7.270 Euro pro Person buchte (ohne Flug: 4.690 Euro). Doch die Hoffnung auf gemütliches Schippern durch nördliche Gewässer erfüllte sich nicht: Zweimal wurde die Strecke mit Bus bzw. Flugzeug zurückgelegt; nur einmal mit der Fähre - und das bei Nacht.

Sofort reklamierten die enttäuschten Urlauber diesen Reisemangel. Vom Reiseveranstalter bekamen sie je 413,16 Euro zurück, damit waren sie allerdings nicht zufrieden. Das Ehepaar forderte 30 Prozent des Reisepreises, der Reiseveranstalter bot nur zehn Prozent. Und vor allem: Als Reisepreis veranschlagte er 4.690 Euro pro Person, also den Preis ohne Flug. Flüge vermittle er nur, so der Reiseveranstalter. Sie gehörten nicht zu seiner Reiseleistung. Daher seien die Flugkosten auch nicht Bestandteil des Reisepreises, auf dessen Grundlage die Minderung zu berechnen sei.

In der Tat sei die Reise als mangelhaft einzustufen, da der versprochene Höhepunkt fast vollständig ausgefallen sei, so das Amtsgericht München (251 C 3890/05). Den Reisepreis deswegen um zehn Prozent zu kürzen, sei angemessen. 30 Prozent wären übertrieben, wenn man berücksichtige, dass die Reise insgesamt 20 Tage dauerte und ansonsten einwandfrei verlief. Doch die Berechnungsgrundlage für die Minderung sei der gesamte Reisepreis einschließlich des Fluges. Denn der Reiseveranstalter habe nirgends (nicht im Katalog, Reiseprospekt, Reisevertrag oder in den Reiseunterlagen) klargestellt, dass er die Flüge nur vermittle.

So errechnete schließlich der Amtsrichter, dass der Reiseveranstalter den Urlaubern pro Person noch einmal 313,84 Euro zurückzuzahlen hatte.