"Alle Ansprüche erledigt"

Unfallopfer verzichtete für eine Abfindung auf alle Ansprüche

onlineurteile.de - Ein Paketdienstfahrer erlitt bei einem Verkehrsunfall einen Trümmerbruch der rechten Kniescheibe. Im Juli 1997 ließ er sich auf einen außergerichtlichen Vergleich mit der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners ein. Sie zahlte ihm 31.000 DM Entschädigung, damit sollten "alle Ansprüche erledigt" sein. Anfänglich ging es dem Unfallopfer ganz gut, doch Anfang 1999 traten erneut Schmerzen auf und das Knie schwoll wieder an. Wegen Verwachsungen und der Ablösung von Knorpeln ließ sich der Fahrer im Januar 2000 nochmals operieren. Der Arzt empfahl, den Beruf aufzugeben und verbot ihm das Fußballspielen.

Das Oberlandesgericht Koblenz wies seine Klage auf weiteren Schadenersatz ab (12 U 854/02). Nach dem klaren Wortlaut der Absprache seien sich die vertragsschließenden Parteien darüber einig gewesen, die Angelegenheit endgültig zu erledigen, erklärten die Richter. Entgegen der Meinung des Unfallopfers sei es ihm daher zuzumuten, an der Vereinbarung festzuhalten. Nachforderungen seien ausgeschlossen.

Wenn der Verletzte eine Kapitalabfindung wähle, nehme er damit das Risiko in Kauf, dass die für ihre Berechnung maßgebenden Faktoren auf unsicheren Prognosen beruhten. Bei einem Trümmerbruch der Kniescheibe seien spätere Komplikationen nicht selten. Dennoch habe sich das Unfallopfer für die Abfindung mit Verzicht auf weitere Ansprüche entschieden, um so schnell wie möglich über einen größeren Betrag verfügen zu können. Damit habe er bewusst in Kauf genommen, dass sich spätere Veränderungen zu seinen Ungunsten auswirkten.