Alleinstehender mit Kind als Nachmieter zumutbar?

Vermieterin will Mieter nicht aus dem Mietvertrag entlassen

onlineurteile.de - Zwei Brüder mieteten zusammen eine Wohnung, doch schon bald wollten sie wieder ausziehen: einer bekam Arbeit in einer anderen Stadt, den anderen ereilte das Eheglück. Sie kündigten den auf fünf Jahre befristeten Mietvertrag, vereinbarten jedoch mit der Vermieterin, das Mietverhältnis erst zu beenden, wenn sich "ein geeigneter Nachmieter findet". Es meldete sich ein Mann, der mit seinem Kind in die Wohnung einziehen wollte. Die Vermieterin befürchtete Beschwerden anderer Mieter über Kindergeschrei und suchte sich lieber einen anderen Mieter. Die Wohnung stand deshalb mehrere Monate leer, die entgangene Miete verlangte die Vermieterin von den Brüdern.

Darauf habe sie keinen Anspruch, entschied der Bundesgerichtshof (VIII ZR 244/02). Ein Mieter könne sich vorzeitig aus einem befristeten Mietvertrag lösen, wenn er ein berechtigtes Interesse daran habe und dem Vermieter einen geeigneten Ersatzmieter stelle. Mögliche Ersatzmieter müsse der Vermieter sachlich prüfen: Persönliche Antipathien oder Vorurteile gegen bestimmte Personenkreise dürften keine Rolle spielen, eine Ablehnung setze "gewichtige Gründe" voraus.

Hier habe die Vermieterin den alleinstehenden Mann wegen seines Kindes als Nachmieter abgelehnt, das sei unzulässig. Wenn ihr deshalb Miete entgehe, gehe der Verlust "auf ihre Kappe"; den dürfe sie nicht den Vormietern aufbürden. Mit einem Vater einen Mietvertrag abzuschließen, sei keineswegs unzumutbar. Normale Wohngeräusche seien in einem Miethaus hinzunehmen, dazu gehöre auch das Spielen von Kindern. Auch den Vormietern hätte die Vermieterin nicht verbieten können, dauerhaft ein Kind in die Wohnung aufzunehmen.