Alles verspielt

Kasino muss gesperrten Spielern keine Gewinne auszahlen

onlineurteile.de - Sie hatte ihn schon gewaltig geplagt, die Spielsucht. Um nicht noch mehr Geld in der Spielbank zu lassen, schloss der Mann schließlich mit dem Kasino einen Sperrvertrag. Ein Sperrvertrag ist eine Art Selbstschutz: Gesperrte Spieler werden an Automaten und Spieltischen nicht mehr zugelassen - so ist es zumindest gedacht.

Kurze Zeit darauf trieb es den Mann jedoch wieder in die Spielbank. Niemand wies ihn ab, trotz der Sperre. Diesmal hatte er Glück und gewann vermeintlich 5.000 Euro. Doch als er das Geld abholen wollte, verweigerte das Kasino die Gewinnausschüttung: Gesperrten Spielern sei der Zutritt verboten, hieß es, sie hätten keinerlei Gewinnansprüche. Hinweisschilder machten in allen Sälen darauf aufmerksam.

Wenn man Spielverbote nicht durchsetze - z.B. durch Kontrollen am Eingang -, seien sie gegenstandslos, meinte der Spielsüchtige. Er klagte den Gewinn ein.

Doch das Kammergericht in Berlin stellte sich auf die Seite des Kasinos (8 U 237/02). Ein Sperrvertrag habe zur Folge, dass zwischen Spieler und Kasino kein verbindlicher Spielvertrag mehr zustande komme und der Spieler keinen Gewinn mehr kassieren könne. Das gelte auch dann, wenn das Kasino die Spieler nicht persönlich kontrolliere und auf diese Weise auch gesperrte Spieler ungehindert Automaten oder Spieltische erreichten. Die Spielbank müsse gut sichtbar einschlägige Hinweisschilder anbringen, das genüge.

In welchem Umfang Spielbanken verpflichtet sind, Sperren durchzusetzen, ist in der Rechtsprechung umstritten. So verlangte das Oberlandesgericht Hamm, Kasinos müssten besser kontrollieren und gesperrten Spielern wenigstens die Einsätze zurückzahlen. Andernfalls sei ein Sperrvertrag kein wirksamer Schutz. Dies sah das Kammergericht anders: Wenn der Mann trotz Sperre an Automaten Geld einsetze, verstoße nicht die Spielbank gegen den Sperrvertrag, sondern der Spieler selbst. Und zwar auf eigenes Risiko.