Almsieck contra Boulevardpresse

"Vorbeugende" Unterlassungsklage gegen zukünftige Veröffentlichungen ist unzulässig

onlineurteile.de - Während eines Urlaubs auf Sardinien 2005 war Franziska von Almsieck mit ihrem Freund von einem Fotografen der Boulevardpresse aufgespürt worden. Der Papparazzo knipste das Paar unter anderem am Strand vor dem Hotel. In mehreren Zeitschriften erschienen anschließend Artikel mit den Fotos, versehen mit Untertiteln wie "Turtelnd und verliebt im Urlaub".

Mit Erfolg ging die frühere Schwimmsportlerin gegen die Publikation vor: Der Verleger verpflichtete sich, die beanstandeten Fotos nicht mehr zu verbreiten. Damit gab sich die Sportlerin jedoch nicht zufrieden. Sie forderte ein generelles Versprechen, nie mehr Fotos aus ihrem privaten Alltag zu verwenden. Mit diesem Anliegen scheiterte sie beim Bundesgerichtshof (VI ZR 265/06 und VI ZR 269/06).

Ob die Publikation eines Fotos zulässig sei oder nicht, könne man nicht im Voraus beurteilen, erklärten die Bundesrichter. Denn das hänge zum einen von den Fotos, zum anderen auch vom Begleittext ab. In jedem Einzelfall sei das Informationsinteresse der Öffentlichkeit abzuwiegen gegen das Interesse des Abgebildeten am Schutz seiner Privatsphäre.

Eine solche Interessenabwägung könne man aber nicht in Bezug auf Bilder vornehmen, die noch gar nicht existierten (oder die zumindest noch nicht bekannt seien). Dass dann auch noch niemand wissen könne, in welchem Kontext sie veröffentlicht werden, liege in der Natur der Sache.