"Als Chef ein Ass, als Mensch ein Arschloch"

Bauarbeiter wird wegen schwerer Beleidigung fristlos entlassen

onlineurteile.de - Die Bauarbeiter packten auf der Baustelle gerade ihre Brotzeit aus, als sie vom Geschäftsführer der Baufirma angeblafft wurden: Sie hätten die Pause fünf Minuten zu früh begonnen und "beuteten die Firma aus". Das könne er nicht dulden. Bauarbeiter H. erwiderte, man sei höchstens eine Minute zu früh dran. Bei einem Gespräch am nächsten Tag forderte der Geschäftsführer von H., die Pausenzeiten korrekt einzuhalten. Darauf bemerkte H.: "Als Chef sind Sie ein Ass, als Mensch ein Arschloch".

Zuerst warf ihn der Geschäftsführer hinaus, folgte ihm aber dann in die Fahrzeughalle, wo die Auseinandersetzung weiterging. H. wiederholte seine Bemerkung - umstritten blieb, ob aus freien Stücken oder auf Aufforderung des Geschäftsführers. Noch am gleichen Tag wurde H. fristlos gekündigt. Dagegen klagte der Bauarbeiter und behauptete, der Geschäftsführer habe ihn als "Analphabeten" beschimpft. Überhaupt sei er im Umgang mit den Mitarbeitern nicht zimperlich und schreie sie dauernd an.

Auch wenn ein Chef mit den Arbeitnehmern rau umgehe, rechtfertige dies keine schwere Beleidigung, entschied das Landesarbeitsgericht Köln (9 Sa 1623/05). Die fristlose Kündigung sei daher wirksam. Die Äußerung von H. stelle eine schwerwiegende Beleidigung dar, es sei ein vernichtendes Urteil über dessen Verhalten im Umgang mit anderen. Dass er vom Geschäftsführer dazu provoziert wurde, sei nicht bewiesen.

Die Beleidigung schließe eine weitere Zusammenarbeit aus. Die Firma müsse davon ausgehen, dass H. bei nächster Gelegenheit sein Urteil vor Arbeitskollegen wiederholen würde. Das untergrabe die Autorität des Geschäftsführers. Das Interesse der Firma am ungestörten Betriebsablauf überwiege das Interesse des Arbeitnehmers am Fortbestand des Arbeitsverhältnisses, auch wenn das den bereits älteren Bauarbeiter nach langjähriger Betriebszugehörigkeit hart treffe.