Alter Mann stürzt im Heim vom Stuhl

Pflegepersonal muss abwägen, ob ein Gurt nötig ist

onlineurteile.de - Es war nicht das erste Mal, dass der alte Mann im Pflegeheim stürzte. Der 73-Jährige war erst kürzlich auf den Hinterkopf gefallen, einmal hatte er sich die Knie aufgeschlagen. Diesmal, als er am Tisch in seinem Zimmer saß, kippte er einfach vom Stuhl und brach sich einen Lendenwirbel. Den anschließenden Aufenthalt im Krankenhaus wollte seine Krankenversicherung nicht bezahlen: Da das Heimpersonal schlecht aufgepasst habe, müsse das Pflegeheim die Kosten der Behandlung übernehmen, forderte das Versicherungsunternehmen. Man hätte den Senior unbedingt mit einem Gurt am Stuhl festschnallen müssen.

Dieser Ansicht war das Landgericht Kiel nicht (8 S 49/03). Es liege im Ermessensspielraum des Pflegepersonals, ob ein Heimbewohner fixiert werden müsse, um ihn vor Stürzen zu bewahren. Hier sei abzuwägen, in wieweit man den Patienten in seinem Grundrecht auf freie Fortbewegung einschränken müsse. Auf keinen Fall dürfe dies prinzipiell geschehen. Stürze solcher Art gehörten zum allgemeinen Lebensrisiko - Pflege, die solche Vorfälle komplett ausschließe, sei nicht denkbar. Im Interesse der freien Entfaltung der Patienten sei auch nicht sinnvoll, sie rund um die Uhr zu beobachten und zu stützen, oder gar dauerhaft zu fixieren. Da das Personal seine Aufsichtspflicht nicht verletzte, müsse das Heim für die Krankenhauskosten nicht aufkommen.