Alzheimer-Kranke fällt von der Toilette

Pflegeheim haftet für die Unfallfolgen

onlineurteile.de - Durch ihre Alzheimer-Erkrankung hatte die Frau praktisch alles vergessen, was sie in ihrem Leben jemals gewusst hatte. Sie war zwar physisch in ganz guter Verfassung, konnte aufstehen und in Begleitung gehen. Ansonsten war sie jedoch unfähig wie ein Säugling, irgendetwas eigenständig zu tun. Am Tag des Unglücks brachte die Pflegerin die Seniorin zur Toilette und setzte sie dort ab. Dann drehte sich die Pflegerin kurz um, um am Waschbecken das Gebiss zu reinigen. Da fiel die alte Dame mit einem Plumps zu Boden und zog sich eine Fraktur zu. Die Krankenkasse zahlte für die Behandlung 5.800 Euro und forderte anschließend vom Pflegeheim das Geld zurück. Das Heim wies alle Vorwürfe von sich: Die Alzheimer-Kranke sei noch nie plötzlich von der Toilette aufgestanden und die Pflegerin habe sich nur einen Augenblick abgewendet.

Dennoch war die Pflegerin schuld an dem Unfall, entschied das Landgericht Stuttgart (10 O 372/02). Wie weit man Patienten beim Gang auf die Toilette beaufsichtigen müsse, sei von deren Hilfebedürfnis abhängig. Bei Alzheimer im letzten Stadium dürfe sich der Pfleger nicht umdrehen und einen Meter weggehen. In solchen Fällen müsse der Pfleger die Patienten ständig im Auge behalten und bereit sein "zuzugreifen".

Den Einwand des Pflegeheims, dass die Vorgaben der Pflegeversicherung einen solchen Zeitaufwand nicht zuließen, wiesen die Richter zurück. Diese müssten dann eben an die Realität in den Heimen angepasst werden. Wesentlich sei es, für Patienten, die ihr Tun nicht steuern könnten, jede Gefahr auszuschließen. Wenn sich ein Baby durch einen Sturz von der Wickelkommode verletze, stehe die Schuldfrage schließlich auch nicht zur Diskussion. Das Pflegeheim müsse die Behandlungskosten übernehmen.