An Cevapcici Zahn ausgebissen

Gericht: Kleine Knochenstücke sind kein Fehler, sondern ein natürlicher Bestandteil von Hackfleisch

onlineurteile.de - Kein Schmerzensgeld gibt's für einen Verbraucher, der beim Essen von Cevapcici aus Rinderhackfleisch auf kleine Knochenstücke beißt und sich daran einen Zahn aus-beißt: Das Landgericht Kleve entschied, solches Hackfleisch sei nicht fehlerhaft im Sinne des Produkthaftungsgesetzes.

Auf zwei ca. zwei Millimeter große Knochenstücke sei er in dem miesen Hackfleisch gestoßen, kritisierte der Cevapcici-Konsument. Beim zweiten sei ein Stück seines Oberkieferzahns Nummer 16 herausgebrochen. Für diese Unbill müsse der Fleischproduzent geradestehen. Der Kunde forderte Schmerzensgeld für die Nummer 16.

Während das Amtsgericht fand, er habe sich den Verlust selbst zuzuschreiben - wer schon einen Knochen gespürt habe, müsse eben vorsichtiger zubeißen! -, verneinte das Landgericht Kleve einen Anspruch auf Entschädigung schon deshalb, weil das Produkt in Ordnung war (5 S 47/11). Bei Hackfleisch sei es nicht auszuschließen, dass sich hin und wieder einmal ein winziges Knochen- oder Knorpelstück finde, so das Gericht.

Sie seien keine Fremdkörper, sondern natürlicher Bestandteil des Fleischprodukts - auch wenn sie im verarbeiteten Produkt eigentlich unerwünscht seien. Denn das Fleisch werde mit Maschinen vom Skelett gelöst. Dass dabei kleinste Knochenpartikel oder Knorpel mit abgelöst werden, liege in der Natur der Sache und sei für den Hersteller nicht zu vermeiden, jedenfalls nicht mit zumutbarem Aufwand.

Da müsste man das Fleisch von Hand sehr großzügig um die Knochen herum lösen und es dann noch einmal von Hand genau untersuchen. Das wäre ein intensiver Arbeitsgang und unverhältnismäßig dazu, weil objektiv nicht notwendig. Denn dem Konsumenten, der auf ein kleines Knochenstück beiße, drohe kein gravierender Gesundheitsschaden, den man um jeden Preis verhindern müsste.