An der Ausfahrt ausgebremst

Gestürzte Motorradfahrer fordern Schadenersatz vom Autofahrer

onlineurteile.de - Ein Münchner Ehepaar fuhr auf dem Motorrad in München-Giesing auf die Autobahn (Richtung Salzburg). Schon kurz nach Beginn der Autobahn kommt man an der Ausfahrt Unterhaching vorbei. Drei Fahrzeuge vor den Motorradfahrern bremste, direkt an der Ausfahrt, ein Autofahrer abrupt bis zum Stillstand ab. Er hatte wohl die Ausfahrt übersehen. Damit löste er eine Serie von Vollbremsungen aus. Der Motorradfahrer rutschte dabei mit dem Vorderrad aus. Er und seine Ehefrau auf dem Sozius wurden auf die Fahrbahn geschleudert und leicht verletzt. Das Motorrad und die Motorradkleidung wurden beschädigt.

Doch die Konsequenzen seines riskanten Bremsmanövers interessierten den Autofahrer nicht: Er gab Gas, zog ungeachtet durchgezogener Linie und Sperrfläche Richtung Unterhaching davon. Da sich der Hintermann die Autonummer merkte und bei der Polizei meldete, konnte der Fahrer ermittelt werden. Allerdings bestritt er, an Ort und Stelle gewesen zu sein. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren wegen Unfallflucht wieder ein, weil ihm die Beweislage zu dünn schien. Immerhin hatte beim Landgericht München I die Klage der Motorradfahrer auf Schadenersatz Erfolg (17 O 2088/05).

Zwar erklärte die Frau des Autofahrers, sie seien am Unfalltag nicht nach Unterhaching gefahren. Doch die Aussagen aller anderen Zeugen - vor allem des nachfolgenden Autofahrers, der das Kennzeichen notiert hatte - standen dagegen. Das überzeugte den Richter davon, dass eine Verwechslung ausgeschlossen war. Er verurteilte den Autofahrer, zwei Drittel des Schadens zu übernehmen (5.000 Euro). Ein Drittel musste das Ehepaar selbst tragen, weil das Motorrad zu wenig Abstand zum Vordermann hatte. (Der Autofahrer legte gegen das Urteil Berufung ein.)