An der Wohnungstür fehlte der Schließzylinder

Kein Beweis für einen Einbruch: Versicherungsnehmerin geht leer aus

onlineurteile.de - Beim ersten Mal verlief alles reibungslos: 1996 meldete die Frau ihrer Hausratversicherung einen Einbruch. Sie übergab eine Liste der gestohlenen Gegenstände, für den Verlust zahlte die Versicherung fast 36.000 DM. Im Oktober 2002 zeigte die Dame erneut einen Einbruch an - diesmal ging es um Sachen im Wert von 15.000 Euro -, da war die Versicherung schon skeptischer. Denn laut Polizeibericht gab es kaum Spuren: Lediglich die beiden Schließzylinder der Schlösser an der Eingangstür fehlten, außerdem war die Wohnung durchwühlt.

Die Versicherung wandte sich an die Staatsanwaltschaft, die sogleich wegen Betrugs und Vortäuschung einer Straftat ermittelte. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei prompt eine Sonnenbank, die 1996 als gestohlen gemeldet worden war. Dennoch wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Die Hausratversicherung weigerte sich freilich, für den zweiten Einbruch zu zahlen und forderte die Entschädigung für die Sonnenbank (1.900 DM) zurück.

Beim Oberlandesgericht Köln setze sich das Unternehmen durch (9 U 164/04). Der Versicherte müsse zwar keinen 100-prozentigen Beweis für einen Einbruch liefern, aber ein stimmiges Spurenbild sollte wenigstens vorhanden sein. Dass die Schließzylinder fehlten, beweise für sich genommen gar nichts. Es gebe keine Anzeichen einer gewaltsamen Öffnung der Tür und auch sonst keine aussagekräftigen Spuren eines Einbruchs. Dass Diebe spurlos eindringen, sei zwar theoretisch möglich, aber äußerst unwahrscheinlich. Und die Glaubwürdigkeit der Frau sei wegen ihrer falschen Angaben 1996 ohnehin erschüttert.