Arbeitnehmer beurlaubt sich selbst ...

... nachdem der Vorgesetzte den Urlaub verweigerte: Fristlose Kündigung?

onlineurteile.de - Seit 18 Jahren arbeitete der schwerbehinderte 61-jährige Schlosser bei seinem Arbeitgeber. 2010 blieben ihm fünf Urlaubstage übrig, die auf das erste Quartal 2011 übertragen wurden. In diesem Betrieb gelten Urlaubsansprüche aus dem Vorjahr nur auf schriftlichen Antrag hin und mit Erlaubnis der Geschäftsleitung über das erste Quartal hinaus.

Mitte März 2011 beantragte der Schlosser bei seinem Vorgesetzten, die fünf Tage Resturlaub in der ersten Aprilwoche nehmen zu dürfen. Das wurde wegen der Erkrankung zweier Arbeitskollegen abgelehnt. Der Vorgesetzte bot dem Arbeitnehmer jedoch an, sich in der Personalabteilung zu erkundigen, ob er den Resturlaub über den 31. März hinaus nachholen könne.

Drei Mal fragte der Schlosser nach. Am 30.3. erst teilte ihm der Vorgesetzte mit, den Resturlaub könne er vergessen. Eine Übertragung komme nicht in Frage. In der ersten Aprilwoche erschien der Schlosser nicht zur Arbeit. Sein Vorgesetzter fand auf dem Schreibtisch einen schriftlichen Urlaubsantrag für diese Woche vor.

Daraufhin kündigte der Arbeitgeber dem Schlosser fristlos - mit Zustimmung des Betriebsrats und des für behinderte Arbeitnehmer zuständigen Integrationsamtes -, weil er sich eigenmächtig selbst beurlaubt habe. Der Mitarbeiter erhob Kündigungsschutzklage.

Grundsätzlich rechtfertige so ein Vorfall (auch ohne vorherige Abmahnung) eine fristlose Kündigung, betonte das Arbeitsgericht Krefeld (1 Ca 960/11). Doch seien die Interessen der Beteiligten abzuwägen, um eine angemessene Reaktion auf das Fehlverhalten des Arbeitnehmers zu finden.

Immerhin arbeite der Schlosser seit 18 Jahren ohne Fehl und Tadel im Betrieb. Und: Beim Streit um den Urlaub habe sich auch der Arbeitgeber nicht einwandfrei verhalten. Der Vorgesetzte habe den Antrag mit unzureichender Begründung abgelehnt und erst "in letzter Minute" mitgeteilt, dass der Resturlaub nicht weiter übertragen werde.

Angesichts dieser Vorgeschichte stelle sich eine fristlose Kündigung als unverhältnismäßig dar. Auf Vorschlag des Gerichts einigten sich die Parteien darauf, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Der Arbeitnehmer akzeptierte eine Abmahnung wegen "Selbstbeurlaubung".