Arbeitnehmer gibt falsche Adresse an

Kündigung kann nicht zugestellt werden - wirksam ist sie trotzdem

onlineurteile.de - Der Arbeitgeber war mit dem schwerbehinderten Arbeitnehmer unzufrieden. Da er ihn erst seit fünf Monaten beschäftigte, konnte er ihm kündigen, ohne die Zustimmung des Integrationsamtes einzuholen. (Bei Schwerbehinderten ist vor einer Kündigung das Integrationsamt einzuschalten, sobald der Arbeitnehmer länger als sechs Monate im Unternehmen arbeitet - innerhalb dieser Frist kann der Arbeitgeber ohne Kontrolle kündigen.)

Womit der Chef nicht gerechnet hatte: Das Kündigungsschreiben konnte dem Arbeitnehmer nicht zugestellt werden, weil er in der Firma eine falsche Adresse angegeben hatte. Aus der fraglichen Wohnung war der unzuverlässige Mitarbeiter schon ausgezogen, bevor er den Arbeitsvertrag unterschrieben hatte. So sorgte er dafür, dass ihn die Kündigung erst nach Ablauf der Sechs-Monats-Frist erreichte. Danach erklärte er, die Kündigung sei unwirksam.

Keineswegs, urteilte das Bundesarbeitsgericht (2 AZR 366/04). Der Arbeitnehmer habe die Zustellung des Kündigungsschreibens unmöglich gemacht, indem er dem Betrieb seine richtige Adresse verschwieg. Wer in treuwidriger Weise den Zugang der Post hintertreibe, könne sich nicht auf die verspätete Zustellung berufen. Der Arbeitnehmer müsse sich vielmehr so behandeln lassen, als hätte der Arbeitgeber die Frist gewahrt. Dieser habe alles getan, was in seiner Macht stand, damit das Schreiben den Adressaten erreichte.