Arbeitnehmer war sternhagelvoll

Fristlose Kündigung ist erst nach erfolgloser Abmahnung möglich

onlineurteile.de - Der Lagerist torkelte nur so zu seinem Gabelstapler. Jeder im Betrieb wusste, dass er viel trank. Doch bei der Arbeit war er noch nie betrunken gewesen. "Der ist doch total zu", dachte der Schichtleiter und schickte den Mann zwecks Alkoholtest zur Polizei. Die stellte eine Blutalkoholkonzentration von 2,8 Promille fest; danach radelte (!) der Lagerist nach Hause.

Drei Tage später wurde ihm fristlos gekündigt. Im Arbeitsvertrag sei das Alkoholverbot fixiert, so die Betriebsleitung, und auch ein Aushang im Betrieb weise darauf hin. Wer im Werk einen Gabelstapler lenke, müsse total nüchtern sein. Er sei doch seit Jahren alkoholkrank, verteidigte sich der Lagerist, und habe trotzdem seine Arbeit gut erledigt.

Vor einer Kündigung hätte der Arbeitgeber den Arbeitnehmer abmahnen müssen, entschied das Landesarbeitsgericht Hessen (8 Sa 854/06). Eine solche Warnung hätte hier vielleicht sogar gewirkt: Immerhin arbeite der Mann seit zehn Jahren im Unternehmen und sei zum ersten Mal betrunken zur Arbeit erschienen. Erst wenn sich ein Arbeitnehmer so einen Fehltritt wiederholt - und trotz einer Abmahnung - leiste, sei eine fristlose Kündigung gerechtfertigt.

Auch wenn der Arbeitnehmer tatsächlich alkoholkrank wäre, dürfte ihm der Arbeitgeber nur unter der Bedingung kündigen, dass er die geschuldete Leistung nicht bringe und darunter das betriebliche Interesse leide. Dafür gebe es aber keinen Anhaltspunkt. Ein einziger Fehltag in zehn Jahren belege keineswegs, dass der Gabelstaplerfahrer aufgrund seiner Alkoholkrankheit die Arbeit nicht mehr schaffe. Die Kündigung sei daher unwirksam.