Arbeitsunfall: Linker Arm gebrauchsunfähig

Streit mit der Unfallversicherung um Interpretation der "Gliedertaxe"

onlineurteile.de - Der Arbeitsunfall hatte schlimme Folgen: Ein Arbeiter war beim Tragen von Autoreifen gestolpert und gestürzt. Dabei hatte er sich so schwer am Ellenbogen verletzt, dass der Arm dauerhaft nicht mehr zu gebrauchen war. Bei der Abwicklung des Schadensfalls gab es Streit um die Höhe der Versicherungsleistungen.

Der Versicherer verwies auf seine Gliedertaxe - eine Liste, die aufführt, wie viel die Versicherung bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit verschiedener Körperteile an den Versicherten zu zahlen hat - und bestritt, dass der Arm zu 100 Prozent gebrauchsunfähig sei. Daraufhin zog der verletzte Arbeitnehmer vor Gericht.

Der vom Landgericht bestellte Sachverständige war der Ansicht, der linke Arm habe zumindest in einer Hinsicht noch eine Funktion, nämlich den Oberkörper im Gleichgewicht zu halten. Die Richter entschieden deshalb, der Arm sei nur zu 9/10 funktionsunfähig. Sie kürzten (entsprechend den Vorgaben der Gliedertaxe) die vom Versicherungsnehmer verlangte Summe. Das Oberlandesgericht Brandenburg beurteilte die Situation anders und machte die Kürzung rückgängig (12 U 147/04).

Ein Arm sei zu 100 Prozent gebrauchsunfähig, wenn er nicht mehr als Arm zu gebrauchen sei und nicht erst dann, wenn er amputiert werden müsse. Die Funktionseinschränkung beim Versicherten sei so gravierend, dass sie sich im täglichen Gebrauch kaum von einer Amputation unterscheide - nur sei eben der Arm noch da. Seine Gleichgewichtsfunktion für den Oberkörper sei zu vernachlässigen.