Arbeitszeugnis muss "übliche Formulierungen" enthalten

Arbeitgeber darf sie nicht ohne sachlichen Grund weglassen: "Geheimzeichen" sind unzulässig

onlineurteile.de - Zehn Jahre lang hatte der Mann als Redakteur bei einer Tageszeitung gearbeitet. Im Frühjahr 2003 verließ er die Zeitung und erhielt vom Verlag ein qualifiziertes Zeugnis. Das fiel ganz gut aus; aber den Redakteur störte, dass der Arbeitgeber nicht hervorgehoben hatte, dass er in Stresssituationen belastbar war.

Der Journalist zog vor Gericht, um eine Korrektur des Arbeitszeugnisses durchzusetzen. So ein Hinweis sei üblich, betonte der Arbeitnehmer. Fehle er, werde ihm das bei künftigen Bewerbungen negativ ausgelegt. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) gab ihm im Prinzip Recht und verwies den Fall an die Vorinstanz zurück (9 AZR 632/07).

Welche Formulierungen gängig seien, hänge von der jeweiligen Branche und Berufsgruppe ab, der ein Arbeitnehmer angehöre, so das BAG. Lasse ein Zeugnis ohne sachlichen Grund Formulierungen aus, die zum Standard der jeweiligen Branche oder Berufsgruppe gehörten, habe der Arbeitnehmer Anspruch auf eine Korrektur.

Einen bestimmten Inhalt auszulassen, der in einer Branche erwartet werde, könnte ein Geheimzeichen unter Arbeitgebern darstellen. Das sei unzulässig: Zeugnisse müssten klar formuliert sein und dürften keine geheimen Botschaften enthalten, die man ihrem Wortlaut nicht entnehmen könne. Das Landesarbeitsgericht müsse nun klären, ob es in Zeugnissen für Zeitungsredakteure tatsächlich gängig sei, ihre besondere Belastbarkeit bei Stress hervorzuheben, und den Fall dementsprechend entscheiden.