Architekt erklärte Estrich für "o.k."

Haftet dann der Fliesenleger für Schäden durch feuchten Estrich?

onlineurteile.de - Ein Architekt hatte vertraglich garantiert, das Bauvorhaben bis zu einem bestimmten Termin fertigzustellen. Bares Geld stand für ihn auf dem Spiel: Das Honorar sollte um 5.000 DM pro Woche steigen oder fallen, je nachdem, ob das Haus früher oder später bezugsfertig wurde. Und so kam es wohl wegen der Eile zum Pfusch am Bau: Estrichleger und Architekt überprüften den Feuchtigkeitsgehalt des frisch verlegten Estrichs und erklärten dann, die Bodenplatten könnten verlegt werden.

Daraufhin machte sich der Fliesenleger an die Arbeit. Leider zu früh, wie sich später herausstellte. An vielen Stellen in Wohnzimmer, Küche und Flur hoben sich die Natursteinplatten vom Estrich ab. Ein Sachverständiger stellte fest, dass der Estrich noch zu feucht gewesen sei, man hätte mit dem Verlegen länger warten müssen. Er schlug vor, die Steinplatten neu zu verlegen - ein teurer Spaß. Der Bauherr wollte dem Fliesenleger den schwarzen Peter zuschieben und zahlte dessen Vergütung nicht (26.185 DM).

Das Oberlandesgericht Frankfurt entschied jedoch, der Handwerksbetrieb habe Anspruch auf das Geld (17 U 227/01). Der Fliesenleger habe den Pfusch nicht zu vertreten. Zwar müsse ein Handwerker nach den einschlägigen Handwerksrichtlinien prüfen, ob die Vorarbeiten eine "geeignete Grundlage" für seine eigene Arbeit bildeten. Aber der Architekt habe dem Fliesenleger bei der Auftragsvergabe ausdrücklich erklärt, er habe den Estrich zusammen mit dem Estrichleger kontrolliert und die Unterlage sei in Ordnung. Wenn der Architekt die Vorarbeiten selbst überprüfe und dem Handwerker das Ergebnis als fachliche Vorgabe mitteile, dürfe sich dieser darauf verlassen. Unter diesen Umständen sei der Fliesenleger nicht verpflichtet, die Feuchtigkeit des Estrichs selbst noch einmal zu messen.