Argentinien-Anleihe madig gemacht

Daher muss die Bank Anleger nicht für Verlust entschädigen

onlineurteile.de - Politisch und wirtschaftlich sei Argentinien völlig instabil; genau genommen wäre das Land "zahlungsunfähig, wenn es nicht am Tropf der Weltbank hinge". So drastisch schilderte der Wertpapierberater einer Bank seinem Kunden die Risiken einer Argentinien-Anleihe. Aber die Rendite von fast neun Prozent war für den Mann doch zu verlockend: Der Bankkunde legte im November 2000 für sich und seine Ehefrau 20.000 DM an.

Am Fälligkeitstag im November 2002 erfuhren die Anleger, dass ihr Geld fast futsch war. Sie verklagten die Bank auf Schadenersatz und behaupteten, der Mitarbeiter habe die Anlage empfohlen und als "absolut risikolos" bezeichnet. Doch der Berater konnte vor dem Oberlandesgericht Koblenz durch Notizen auf seiner "Wertpapier-Beraterkarte" nachweisen, dass er die Kundschaft über das Risiko informiert hatte (5 U 1384/03).

Der Kunde sei kein unerfahrener Anleger, so das Gericht. Dennoch habe ihn der Berater nachdrücklich auf das hohe Risiko der Zahlungsunfähigkeit und auf die instabile Regierung des Landes aufmerksam gemacht. Der Hinweis auf die Weltbank ändere daran nichts, im Gegenteil: Angesichts einer solchen Lage habe man jederzeit damit rechnen müssen, dass die Weltbank Argentinien ihre Unterstützung entziehe oder diese einschränke. Der Kunde sei korrekt informiert worden, daher hafte die Bank nicht für den Verlust.

Auf anderslautende Gerichtsentscheidungen zur "Argentinien-Anleihe" könne sich der Bankkunde nicht berufen, betonten die Richter. In diesen Fällen hätten die Bankmitarbeiter die Anleger nämlich nicht gewarnt, sondern leichtfertig deren Bedenken zerstreut mit Bemerkungen wie "Ein Land ist noch nie pleite gegangen" oder: "Der Internationale Währungsfonds wird schon dafür sorgen, dass das Land seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt".