Arzt legte Fußballspieler lahm

Ein grober Behandlungsfehler führt zur Umkehr der Beweislast

onlineurteile.de - Das Drama hat sich vor 25 Jahren (!) abgespielt: Ein Fußballprofi hatte Probleme im linken Kniegelenk und sollte Medikamente gespritzt bekommen. Da der Vereinsarzt in Urlaub war, ging der Mann zu einem Dr. B. Mittlerweile steht längst fest, dass Dr. B bei der Injektion so ziemlich alle Hygieneregeln ignoriert hatte.

Umstritten ist bis heute, ob dies die Folgen (einen Kniegelenkserguss mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung) ausgelöst hat. Jedenfalls musste der Patient wegen starker Schmerzen ins Krankenhaus, wurde am Knie operiert und konnte längere Zeit nicht spielen. Von den Erben des inzwischen verstorbenen Dr. B forderte der Fußballspieler Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht (OLG) ließ ihn abblitzen: Dass der grobe Behandlungsfehler des Mediziners zu einer bakteriellen Infektion und auf diese Weise zu seinen Beschwerden geführt habe, stehe nicht fest. Es könnte sich auch um eine allergische Reaktion auf die Medikamente gehandelt haben, die unabhängig von Hygienemängeln auftrete. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil des OLG auf und verwies die Sache zurück (VI ZR 118/06).

Nicht der Patient müsse hier beweisen, dass eine Infektion (und keine allergische Reaktion) vorlag, betonten die Bundesrichter. Das OLG habe dies verkannt. Nach einem groben Behandlungsfehler hafte ein Arzt bereits dann, wenn der Fehler zu dem eingetretenen Gesundheitsschaden führen könne. Dass er wirklich die Ursache gewesen sei, müsse nicht mit Gewissheit feststehen; es müsse nicht einmal wahrscheinlich sein.

Normalerweise müsse der Patient den ursächlichen Zusammenhang zwischen Gesundheitsschaden und Kunstfehler des Arztes nachweisen. Hier dagegen müsse umgekehrt der Arzt (bzw. der Anwalt der Erben) beweisen, dass eine allergische Reaktion vorlag, die nichts mit dem Behandlungsfehler zu tun hatte. Die Unsicherheit darüber, welche Ursache dem Schaden (hier: dem Kniegelenkserguss) zugrunde lag, müsse in so einem Fall der Mediziner beseitigen. Gelinge ihm das nicht, hafte er für den Schaden.