Arztbesucherin stürzt auf der Haustreppe

Haftet dafür die Hauseigentümerin, weil das Licht im Treppenhaus nicht funktionierte?

onlineurteile.de - Frau M hatte ihren Hausarzt aufgesucht, dessen Praxis im ersten Stock eines Mietshauses lag. Nach dem Arztbesuch ging es ihr allerdings schlechter als zuvor, denn sie stürzte beim Weggehen auf der letzten Stufe der Treppe. Dabei brach sich die Patientin das Fersenbein.

Von der Hauseigentümerin forderte Frau M 10.000 Euro Schmerzensgeld: Sie sei für den Unfall verantwortlich, weil das Licht im Treppenhaus nicht funktioniert habe. "Ohne" sehe man nicht, wo die Treppe aufhöre, weil im Treppenhaus kaum natürliches Licht einfalle. In einem Haus mit Arztpraxis müsse sich die Eigentümerin darum kümmern, dass Patienten die Treppe gefahrlos benutzen könnten.

Die Hauseigentümerin ließ die Vorwürfe nicht auf sich sitzen: Am Unfalltag habe die Glühbirne gebrannt wie immer, beteuerte sie. Außerdem falle durch das Oberlicht in der Eingangstür und durch ein großes Fenster zwischen Erdgeschoss und erstem Stock genügend Tageslicht ins Treppenhaus. Wer beim Treppensteigen aufpasse, erkenne das Ende der Treppe ohne weiteres.

So sah es auch das Landgericht Coburg und wies die Klage von Frau M auf Schmerzensgeld ab (11 O 235/11). Das Gericht habe sich vor Ort davon überzeugt, dass das Treppenhaus relativ dunkel sei. Doch trübes Tageslicht und eine defekte Glühbirne rechtfertigten nicht den Vorwurf, dass die Hauseigentümerin ihre Verkehrssicherungspflicht schuldhaft vernachlässigt habe. Hauseigentümer müssten nur Gefahren beseitigen (oder vor ihnen warnen), die sorgfältige Besucher des Hauses nicht erkennen könnten.

Das Problem mit dem Licht — falls es eines gab! — habe Frau M rechtzeitig bemerkt. Zumindest habe sie selbst ausgesagt, dass das Licht im Treppenhaus nicht brannte, als sie das die Treppe hinaufgestiegen sei. Unter diesen Umständen hätte sich die Arztbesucherin auf schlechte Beleuchtung auf dem Rückweg einstellen müssen. Das bedeute: Sie hätte die Treppe sehr vorsichtig und langsam hinuntergehen und sich dabei am Handlauf festhalten müssen. So hätte Frau M auch die letzte Stufe meistern können.