Auf dem Campingplatz gefilmt

Mutter und Tochter im Boulevardmagazin eines privaten Fernsehsenders

onlineurteile.de - Ein privater Fernsehsender drehte auf einem italienischen Campingplatz Spots über deutsche Urlauber für sein Boulevardmagazin. Ein kleines Drama war dem Fernsehteam hoch willkommen: Ein fünfjähriges Mädchen hatte sich auf dem weitläufigen Gelände verlaufen und wurde von Fremden zur Rezeption gebracht. Man filmte, wie das Kind dort befragt und dann wieder zum Zelt der Eltern gebracht wurde. Anschließend interviewte das Team die schreckensbleiche Mutter. Zweimal wurden diese Bilder vom Fernsehsender ausgestrahlt.

Dies sei gegen ihren Willen geschehen, behauptete später die Mutter. Sie verklagte den Sender auf Entschädigung, weil man ihr Persönlichkeitsrecht (und das ihres Kindes) verletzt habe. Erfolglos pochte der Fernsehsender darauf, die Familie sei mit den Filmaufnahmen einverstanden gewesen. Das treffe zu, wie man an den Videoaufnahmen sehe, räumte das Oberlandesgericht Karlsruhe ein (14 U 27/05). Denn die Frau habe freundlich Fragen beantwortet und dabei in die Kamera geschaut.

Damit habe sie aber keineswegs die Ausstrahlung dieser Szenen in jedem x-beliebigen Rahmen gebilligt. Das Boulevardmagazin unterhalte die Zuschauer (laut Eigenreklame des Senders) "mit kleinen Skurrilitäten des Alltags". In dem Interview sei es jedoch um die Angst der Mutter gegangen, als ihre Tochter verschwunden war und die große Erleichterung nach der Rückkehr. Dieses Erlebnis hätten die Betroffenen ganz und gar nicht als skurril (d.h. "possenhaft") empfunden.

Vor der Veröffentlichung der Bilder hätte man die Frau über Niveau und Motto des oberflächlichen Fernsehmagazins informieren müssen. Sie ohne ausdrückliche Genehmigung im Magazin auszustrahlen, verletze das Recht am eigenen Bild. Der Fernsehsender müsse dafür an Mutter und Tochter je 2.500 Euro Entschädigung zahlen.