Auf dem Weg zum Flughafen verunglückt

Schwer verletzte Urlauber können Reisemangel auch nach der vorgeschriebenen Frist geltend machen

onlineurteile.de - Eine deutsche Familie buchte für Juli 2000 einen (Pauschal-)Urlaub in der Türkei. Die Transporte vom Flughafen zum Hotel und zurück organisierte der Reiseveranstalter mit Hilfe eines einheimischen Transportunternehmers. Als am Ende des Urlaubs die Familie zum Flugplatz aufbrach, verunglückte der Kleinbus: Fahrer Y prallte mit seinem Fahrzeug auf einen Reisebus, der am Fahrbahnrand stand. Statt am Flughafen, landeten die Urlauber schwer verletzt in einem türkischen Krankenhaus.

Noch in der Klinik teilte der Familienvater einem örtlichen Mitarbeiter des Reiseveranstalters mit, er werde auf Schadenersatz klagen. Doch dann konnte er sich erst einmal nicht darum kümmern. Anfang November meldete er seine Ansprüche per Fax beim Reiseveranstalter an. Zu spät, meinte der, und verwies darauf, dass Reisemängel sofort reklamiert werden müssen und Forderungen nach Schadenersatz spätestens einen Monat nach dem Ende einer Reise geltend zu machen sind. Doch so einfach kam das Reiseunternehmen nicht davon: Der Kunde habe schuldlos die Monatsfrist versäumt, entschied das Landgericht Köln (25 O 412/01).

Laut medizinischem Gutachten sei die Ehefrau bis zum Frühjahr 2001 krank und arbeitsunfähig gewesen, der Ehemann bis November 2000 zu 80 Prozent arbeitsunfähig. Unter diesen Umständen könnten die Kunden ihre Ansprüche auch nach der Genesung noch anmelden. Normalerweise gelte die Monatsfrist, weil es für die Veranstalter längere Zeit nach einer Reise schwierig sei, die Berechtigung von Mängelrügen festzustellen. Hier liege der Fall aber ganz anders, denn der Reiseveranstalter habe ja über den Unfall und die schweren Verletzungen der Kunden Bescheid gewusst. Und der Anspruch der Urlauber stehe außer Frage: Der Reiseveranstalter müsse sich das Verschulden des Fahrers Y zurechnen lassen, der ungebremst auf den Bus aufgefahren sei.