Auf "Schnupperflug" verunglückt

Flugzeugführer haftet für tödlichen Unfall eines Fluggastes

onlineurteile.de - Ein Fliegerverein veranstaltete einen Tag der offenen Tür und bot Besuchern die Möglichkeit, auf kurzen "Schnupperflügen" das Fliegen in Ultraleichtflugzeugen kennenzulernen. An diesem Nachmittag stürzte eines der zweisitzigen Flugzeuge ab, Flugzeugführer und Fluggast kamen ums Leben. Dessen Angehörige - der Mann hinterließ Frau und zwei Kinder - verlangten vom Nachlasspfleger des Flugzeugführers Schadenersatz dafür, dass sie ihren Ernährer verloren hatten.

Im Prozess ging es im Wesentlichen um die Frage, ob der Besucher zum "fliegenden Personal" gehörte - dann haftet der Flugzeugführer (gemäß Luftverkehrsgesetz) nicht für Unfälle. So argumentierte der Nachlasspfleger: Alle Besucher hätten während des Fluges das Flugzeug kurz selbst lenken dürfen, mit einer Querstange, die Gewichtsverlagerungen an die Tragflächen weitergibt. Also sei der Verunglückte nicht mehr als Fluggast anzusehen.

Dem widersprach das Oberlandesgericht Celle (14 U 48/03). Auch wenn der Familienvater während des Fluges versucht habe zu lenken, werde er dadurch nicht zum Besatzungsmitglied. Wenn ein Besucher Funktion und Bedienung eines Leichtflugzeugs kennenlernen und ausprobieren wolle, führe er erst recht nicht eigenverantwortlich das Flugzeug, er bleibe ein Fluggast. Der Verunglückte habe auch noch keinen Vertrag mit der Flugschule unterschrieben gehabt, sei also nicht einmal Flugschüler gewesen.