Augenklinik auf Patientenfang

Ärzte mit Kopfgeld pro überwiesenem Patienten geködert

onlineurteile.de - Eine Augenklinik war auf Kataraktoperationen spezialisiert (die das Sehvermögen bei Grauem Star verbessern). Um möglichst viele Patienten zu gewinnen, schrieb die Klinik alle niedergelassenen Augenärzte der Region an: Für jeden Kassenpatienten, den sie zur Operation und Nachbehandlung in die Klinik einwiesen, könnten sie eine Pauschale von 52 Euro verdienen.

Das brachte der Augenklinik einen Wettbewerbsprozess ein, den sie beim Oberlandesgericht Koblenz verlor (4 U 1532/02). Die Werbekampagne der Augenklinik verstoße gegen die Berufsordnung und sei sittenwidrig, denn das Entgelt von 52 Euro beziehe sich ausschließlich auf die Überweisung. Kliniken und Ärzte dürften aber für die Zuweisung von Patienten keine Vergütung versprechen.

Mit der Pauschale werde obendrein das Recht der Patienten auf freie Arztwahl unterlaufen, kritisierten die Richter. Habe ein niedergelassener Arzt die Wahl unter mehreren Operateuren mit vergleichbarer Qualifikation, werde er aller Erfahrung nach seinem Patienten den Operateur empfehlen, bei dem ein Zubrot zu erwarten sei. Künftig dürfe die Augenklinik bei der Werbung um Patienten nicht mehr mit dem Geldschein winken.