Aus dem Rennen geworfen

Rennfahrer provoziert Zusammenstoß mit einem Rivalen

onlineurteile.de - Ein Autorennfahrer konnte einen Konkurrenten, der für dieselbe Autofirma fuhr, nicht leiden. Bei einem Rennen hatte es sogar schon Rangeleien gegeben. Vor einem Rennsportwochenende in Hockenheim kündigte der Rennfahrer an: "Wenn er nicht aus dem Weg geht, ist er fällig!" Sein Rivale ging im Lauf des Rennens in Führung, er blieb ihm dicht auf den Fersen. Daraufhin folgten der Drohung Taten: Als der Führende vor einer Schikane bremste, reagierte der Verfolger verzögert, bremste nur schwach und rammte mit hohem Tempo den vorausfahrenden Wagen am Heck. Der Rivale musste wegen Autoschadens aufgeben. Dagegen setzte sein Gegner das Rennen fort, gewann zwei Läufe und meinte später gegenüber Journalisten: "War doch ein geiles Rennen".

Sein Rowdytum brachte dem erfolgsgeilen Fahrer die Kündigung seiner Autofirma ein. Erfolglos klagte der Gefeuerte beim Oberlandesgericht Frankfurt gegen den Rausschmiss und forderte Schadenersatz für entgangenen Gewinn (24 U 258/01). Seine persönliche Reaktionszeit lag bei 0,1 Sekunden, dennoch hatte der Werksfahrer erst nach 0,303 Sekunden auf die Bremslichter des vorausfahrenden Wagens reagiert. Deshalb glaubten ihm die Richter nicht, als der Rennfahrer im Prozess behauptete, er habe eine "Stotterbremsung" durchführen wollen, um nicht ins Schleudern zu geraten.

Auch seine große Rennerfahrung und die Sticheleien vor und nach dem Rennen sprachen dagegen. Der Fahrer habe vielmehr leichtfertig einen Unfall provoziert und bewusst Leben und Gesundheit eines Sportskameraden gefährdet, folgerten die Richter. Solche Rücksichtslosigkeit beeinträchtige auch die Interessen der Autofirma und Rennstallbetreiberin. Hielte sie an einem Fahrer fest, der einen Konkurrenten aus dem eigenen Lager aus dem Rennen "schieße", würde dies als stillschweigende Billigung seines riskanten und unsportlichen Verhaltens verstanden. Deshalb sei es für die Arbeitgeberin unzumutbar, ihn weiterhin als Werksfahrer zu beschäftigen.