Auto erst gestohlen - und dann verbrannt?

Kein Versicherungsschutz bei sehr wahrscheinlich vorgetäuschtem Autodiebstahl

onlineurteile.de - Ein Versicherungsnehmer meldete der Kfz-Versicherung, sein Skoda sei gestohlen worden. Er habe ihn um 12.25 Uhr in der L-Straße abgestellt und bei seiner Rückkehr gegen 13.45 Uhr sei er weg gewesen. Merkwürdigerweise wurde der Wagen zur selben Zeit im Nachbarort auf einem Parkplatz völlig ausgebrannt vorgefunden. Die Polizeibeamten, die den Fall untersuchten, konnten keinerlei Aufbruchspuren am Fahrzeug feststellen. Deshalb rückte der Versicherer kein Geld heraus: Der Autofahrer habe den Diebstahl nur vorgetäuscht.

Daran glaubte auch das Kammergericht in Berlin und wies die Zahlungsklage des "Bestohlenen" gegen den Versicherer ab (6 U 7/02). Zeugen für den Diebstahl gebe es nicht und die Geschichte des Versicherungsnehmers sei total unglaubwürdig. Allerdings: Allein die Tatsache, dass Aufbruchspuren fehlten, widerlege den Autofahrer noch nicht. Denn Profidiebe könnten ein Fahrzeug auch ohne Schlüssel mit technischen Mitteln oder mit einem Abschleppzeug wegschaffen, sogar solche mit Wegfahrsperre.

Aber es sei wirklich kein Grund denkbar, warum Profidiebe mit großem Aufwand ein Fahrzeug wegschleppen sollten, um es sogleich zu verbrennen. Handle es sich dagegen um einen Zufallstäter, der gerne zündle, habe dieser nicht zufällig einen Abschleppwagen dabei und fahre das Auto erst spazieren, bevor er es zerstöre. Darüber hinaus habe der Versicherungsnehmer durchaus ein Motiv, einen Diebstahl vorzutäuschen: Zum einen stecke er in finanziellen Schwierigkeiten. Zum anderen hätte er den Skoda wegen eines früheren Unfallschadens selbst bei fachgerechter Reparatur nur mit hohem Wertverlust weiterverkaufen können.