Auto fährt Reiterin an

Wer auf der Landstraße Pferde übersieht, ist unaufmerksam oder zu schnell unterwegs

onlineurteile.de - An einem Sommerabend ritt eine Gruppe von neun Reitern zusammen aus. Sie folgten einem Feldweg, der hinter einer Rechtskurve eine Landstraße kreuzt. Bei einsetzender Dämmerung, kurz nach 21 Uhr, überquerte die Reitergruppe von rechts die Landstraße.

Einige Reiter hatten sie schon passiert, andere waren gerade dabei, als ein Auto recht flott um die Kurve kam. Es kollidierte mit dem Pferd von Frau L, die sich beim Sturz das rechte Handgelenk brach und schwer am Knie verletzte. Unter den Folgen leidet die Frau bis heute.

Ihre Schadenersatzklage gegen den Autofahrer und seine Haftpflichtversicherung scheiterte zunächst beim Landgericht, das dem Fahrer schlechte Sicht zugute hielt. Das Pferd auf der Straße habe er erst erkennen können, als dessen Beine vom Abblendlicht erfasst wurden. Vielleicht sei der Autofahrer auch durch die anderen Pferde irritiert und abgelenkt worden. Frau L hätte den anderen Reitern nicht blindlings folgen dürfen, sondern am Straßenrand warten müssen.

Doch das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hob das Urteil auf und sprach Frau L Schmerzensgeld sowie Schadenersatz für die Behandlungskosten zu (10 U 240/09). Die Reiterin sei zwar für den Unfall mitverantwortlich, räumte das OLG ein, weil sie den Wagen nicht passieren ließ. Sie hätte trotz reflektierender Warnweste nicht darauf vertrauen dürfen, gesehen zu werden. Dieser Fehler mindere ihren Anspruch um ein Viertel, das weitaus größere Verschulden treffe aber den Autofahrer.

Dämmerung sei ein allmählicher Vorgang und habe um 21 Uhr erst begonnen, so das OLG. Daher sei die Argumentation des Landgerichts zweifelhaft. Aber selbst wenn es schon fast dunkel gewesen wäre: Im Scheinwerferlicht hätte der Fahrer jedenfalls die anderen Reiter auf ihren Pferden bemerken müssen, die sich noch auf der Landstraße befanden oder auf der linken Straßenseite warteten.

Von wegen Irritation: Dieser Anblick hätte den Fahrer warnen müssen — denn es war damit zu rechnen, dass weitere Pferde nachfolgten. Angesichts dessen hätte der Fahrer besonders aufpassen und abbremsen müssen. Kaum nachzuvollziehen, dass er behaupte, vor der Kollision kein anderes Pferd gesehen zu haben. Das sei allenfalls durch erhebliche Unachtsamkeit zu erklären. Obendrein sei er wohl zu schnell gefahren, jedenfalls nicht "auf Sicht", um jederzeit anhalten zu können.