Auto geklaut

Ungenaue Angaben: Wodurch wird ein Versicherter unglaubwürdig?

onlineurteile.de - Zweimal war der Mann an seinem Kia Rio vorbeigegangen und alles war ganz normal. Als er an diesem Sonntag dann aber einen Bausatz ausladen wollte, war sein Auto plötzlich nicht mehr da - geklaut. Er meldete den Diebstahl seiner Kfz-Versicherung. Die winkte jedoch gleich ab und behauptete, er treibe falsches Spiel: Den Kaufpreis habe er auf 32.000 Euro beziffert, obwohl der Wagen nur 24.900 Euro koste. Außerdem habe er erklärt, das Auto allein zu benutzen - dabei habe er ihn einige Male seiner geschiedenen Frau überlassen. Zudem sei auch noch der Kfz-Schein im Auto gewesen und am Originalschlüssel hätten sich Kopierspuren gefunden.

Reichen diese Fakten aus, um die Version des Autobesitzers in Zweifel zu ziehen? Die Glaubwürdigkeit eines Versicherten ist nicht ganz so leicht zu erschüttern, erklärte das Oberlandesgericht Düsseldorf und gestand dem Mann eine Entschädigung für seinen gestohlenen Kia zu (4 U 155/04). Was ihm die Versicherung vorwerfe, seien nur Kleinigkeiten.

Der angegebene Kaufpreis stehe als finanzierter Kaufpreis so im Kreditvertrag des Autobesitzers; der daraus resultierende Irrtum sei verständlich. Deswegen könne sich die Versicherung nicht aus der Verantwortung stehlen. Bei der Frage nach weiteren Fahrern ("Dritte") blieben Ehepartner oft unerwähnt, weil sie nicht als "Dritte" verstanden würden. Den Kfz-Schein im Auto aufzubewahren, sei ebenfalls eine weit verbreitete Unsitte. Wenn Ersatzschlüssel angefertigt wurden, erlaube dies noch nicht den Schluss, dass hier ein Verbrechen fingiert werden solle. Im übrigen sei auch eine Wegfahrsperre für Diebe zu überwinden, sie könnten den Wagen abgeschleppt haben.