Auto im Werk nachlackiert

Wurden erhebliche Schäden ausgebessert, ist ein Fahrzeug nicht mehr als Neuwagen anzusehen

onlineurteile.de - Das Ehepaar hatte einen Mercedes-Benz C 230 bestellt. Aus ungenannten Gründen verzögerte sich die Auslieferung, dann konnte der Mann den Wagen beim Werk abholen. Bei der ersten Fahrt in einen Kurzurlaub fiel ihm auf, dass auf der Fahrerseite nachlackiert worden war. Erfolglos forderten die Käufer daraufhin ein anderes Fahrzeug: Dass man den Wagen nachlackieren musste, ändere nichts an seiner Eigenschaft als Neuwagen, fand der Hersteller.

Ein Kfz-Sachverständiger, den das Ehepaar mit einem Gutachten beauftragte, widersprach: Angesichts des Umfangs der nachgebesserten Vorschäden handle es sich um ein Unfallfahrzeug und nicht um einen Neuwagen. So sah es auch das Landgericht Bonn: Die Käufer dürften vom Kaufvertrag zurücktreten, weil das Fahrzeug mangelhaft und eine Nachbesserung durch den Hersteller unmöglich sei, urteilten die Richter (3 O 372/05).

Der Wagen habe bereits vor der Auslieferung Schäden erlitten, die nach dem Produktionsprozess im Werk repariert wurden. Die linke Hintertür sei ersetzt worden, wie unterschiedlich dicke Lackschichten zeigten. Farbtonunterschiede seien an der Seitenwand für ein geübtes Auge erkennbar. Am Radlauf der Seitenwand sei geglättet worden, dennoch sei der Kantenverlauf nicht stetig. Das seien keine Bagatellschäden, der Minderwert sei nicht behebbar. Ein Wagen mit solchen Mängeln sei nicht mehr als fabrikneu anzusehen.

Geringfügige Schäden, die im Werk nach den Produktionsrichtlinien des Herstellers fachgerecht repariert werden, minderten den Wert eines Neuwagens nicht. Hier liege der Fall aber anders: Bei Mängeln dieses Kalibers müsste der Kunde bei einem Weiterverkauf diese offenlegen und den Preis herabsetzen.