Autofahrer geht auf Radfahrerin los

Fahrverbot und Geldstrafe für Ausraster im Straßenverkehr: Gewalt hat da nichts zu suchen

onlineurteile.de - Ein 51-jähriger Münchner wollte auf der Leopoldstraße seinen Opel parken. Als er eine leere Parkbucht entdeckte, bremste der Kfz-Mechaniker abrupt. Auf diese Weise zwang er eine Radfahrerin, die in die gleiche Richtung unterwegs war, zu einer Vollbremsung. Die 26 Jahre alte Berlinerin zeigte dem Autofahrer "den Vogel" und schimpfte über sein rücksichtsloses Verhalten. Da revanchierte sich der Münchner mit dem "Mittelfinger".

Nun trat die Radfahrerin leicht gegen die Fahrertür des Opels, ohne Schaden anzurichten. Dadurch fühlte sich der Mechaniker provoziert. Er stieg aus dem Wagen, schlug mit der Faust gegen ihren Oberarm. Als er danach nochmals mit erhobener Faust drohend auf die Berlinerin zuging und rief "Ich mach Dich tot", stellte sich eine unbeteiligte Radfahrerin vor die Frau, um ihn abzuhalten.

Das gelang auch, grummelnd entfernte sich der Autofahrer zu Fuß. Die bedrohte Frau zeigte ihn an, erschien jedoch nicht zum Strafprozess. Sie schickte ein Attest ihrer Psychologin, die ihr bescheinigte, nicht verhandlungsfähig zu sein: Schon während des Aufenthalts in München habe die Patientin unter einem "Burn-out-Syndrom" gelitten. Der Zoff auf der Leopoldstraße habe ihre Panikattacken und Schlafstörungen nicht gerade abgemildert.

Vor dem Amtsgericht München bestritt der Autofahrer den Angriff (922 Ds 421 Js 195386/15). Kfz-Halterin des Opels sei seine Frau, erklärte er, er sei gar nicht vor Ort gewesen. Zu seinem Pech konnte ihn jedoch eine Zeugin — die zweite Radfahrerin — identifizieren. Der Mann sei damals außer sich gewesen, sagte sie aus. Immer wieder habe er gerufen: "Mein Auto, mein schönes Auto". Dann sei er "einfach abgehauen", angeblich, um die Polizei zu holen.

Der Strafrichter verdonnerte den Kfz-Mechaniker zu 4.400 Euro Geldstrafe und zwei Monaten Fahrverbot. Die Radfahrerin habe sich vor Ärger über seine Fahrweise zwar auch nicht gerade ideal verhalten, betonte der Richter. Auf ihre Provokation, den "Vogel", habe der Autofahrer dann aber prompt mit dem Zeigen des Mittelfingers reagiert, mit einer heftigen Beleidigung. Das Fahrverbot sei schon deshalb unumgänglich, weil jedem Verkehrsteilnehmer klar sein müsse, dass "körperliche Gewalt im Straßenverkehr nichts zu suchen" habe.