Autofahrer überfährt Rennradler

Jugendlicher war leichtsinnig - entgeht der Autofahrer deshalb der Haftung?

onlineurteile.de - Ein 14-Jähriger war mit seiner Radsportgruppe unterwegs. Auf Rennrädern fuhren sie einen Radweg (links) neben einer Landstraße entlang. Kurz vor einer Ortschaft war eine (von links in die Vorfahrtstraße einmündende) Seitenstraße zu überqueren. Seine Freunde nutzten dazu eine Verkehrsinsel in der Fahrbahnmitte. Doch der Jugendliche, der als letzter der Gruppe radelte, kürzte ab. Er querte die Seitenstraße direkt und wollte dann (verbotswidrig) über eine schraffierte Sperrfläche in die Landstraße einbiegen.

Da kam ihm ein Auto entgegen. Trotz - oder besser: wegen - einer Vollbremsung des Autofahrers rutschte der Wagen mit blockierten Bremsen auf die Sperrfläche und erfasste den Radfahrer. Er wurde schwer verletzt und verklagte den Autofahrer auf Schadenersatz. Zunächst vergeblich: Er habe sich grob verkehrswidrig verhalten und sei selbst schuld, bekam der Junge zu hören. Trotz des Leichtsinns des jugendlichen Radrennfahrers wollte dagegen der Bundesgerichtshof den Autofahrer nicht von jeglicher Verantwortung freisprechen (VI ZR 31/02).

Zum einen wäre es besser gewesen, den Wagen nur dosiert abzubremsen, um noch lenken und ausweichen zu können. Hätte der Autofahrer zum anderen die zulässige Höchstgeschwindigkeit eingehalten - anstatt mit 80 km/h auf die Kreuzung zuzufahren -, hätte er wahrscheinlich trotz der blockierten Reifen den Zusammenprall vermeiden können. Zumindest hätte er dann nur das Hinterrad des Jugendlichen "erwischt" und dessen Verletzungen wären weniger schlimm ausgefallen. (Mit dieser Vorgabe wurde der Fall an die Vorinstanz zurückverwiesen, die nun über die Höhe des Schadenersatzanspruchs zu entscheiden hat.)