Autoreifen geplatzt

Versicherter Unfall oder Schaden durch nicht versicherten "Betriebsvorgang"?

onlineurteile.de - Der Autofahrer hatte für seinen Wagen eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen. Bei einer Fahrt auf der Autobahn platzte sein hinterer rechter Reifen und beschädigte dabei die Karosserie. Glück im Unglück: Der Autofahrer brachte den Wagen trotzdem sicher zum Stehen.

Ein Kfz-Sachverständiger entdeckte als Unfallursache eine Schraube, die sich in den Reifen gebohrt hatte. Der Reifen sei nicht mehr ganz "tiptop" gewesen, doch das habe den Unfall höchstens begünstigt und nicht verursacht, so das Fazit des Experten. Dennoch wollte die Kaskoversicherung die Reparaturkosten nicht ersetzen.

Begründung: Hier liege kein Unfall vor, also kein "unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis". Vielmehr habe Verschleiß den Reifen zum Platzen gebracht. Verschleiß sei ein nicht versicherter Betriebsvorgang — ebenso wie z.B. Schäden durch Bedienfehler des Versicherungsnehmers oder durch rutschende Ladung.

Doch das Landgericht Karlsruhe stufte den Reifenplatzer als Unfall ein: Die Zahlungsklage des Autofahrers gegen die Versicherung sei begründet (9 O 95/12). Laut Gutachten des Sachverständigen sei ein Fremdkörper in den Reifen eingedrungen und habe ihn so beschädigt, dass er die Luft verlor. Die Schraube habe sich beim Fahren in die Innenseite des Reifens gebohrt.

Das Einfahren des größeren Fremdkörpers stelle einen Unfall dar, ein direkt mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis. Kleine Steinchen oder Rollsplitt blieben im Profil von Reifen hängen, während eine längere Schraube bis ins Innere von intakten Reifen eindringen könne — tief und von außen unsichtbar. Die Vollkaskoversicherung müsse für die Unfallfolgen einstehen.