Autoschaden durch Wolkenbruch

Ist das eine Überschwemmung im Sinne der Teilkasko-Versicherungsbedingungen?

onlineurteile.de - Als er nachts auf der Autobahn nach Hause fuhr, erwischte den Autofahrer ein Wolkenbruch. Der Regen war so stark, dass die Autobahn innerhalb weniger Minuten überflutet wurde. Das Wasser stand so hoch, dass es in den Motorraum eindrang. Die Bilanz: Zerstörte Scheinwerfer und Steuergeräte, Blinker und Leuchtweitenregulierung funktionierten nicht mehr. Laut Kostenvoranschlag einer Fachwerkstatt kostete die Reparatur rund 2.600 Euro.

Die Mutter des Autofahrers hatte für den Wagen eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen. Demnach war das Auto gegen die "unmittelbare Einwirkung von Sturm, Hagel … oder Überschwemmung" versichert. Doch die Versicherung wollte den Schaden nicht regulieren: Von einer Überschwemmung könne man nur dann sprechen, wenn "ein Gewässer über die Ufer trete".

Diesem Argument widersprach das Landgericht Bochum (9 S 204/14). Nach allgemeinem Sprachgebrauch liege eine Überschwemmung vor, wenn Wasser in erheblichem Umfang nicht auf normalem Weg abfließe, sondern Gelände überflute, auf dem es sich üblicherweise nicht befinde. Das sei auch dann der Fall, wenn ein Wolkenbruch eine Straße überflute. Denn in diesem Fall versickere das Wasser nicht mehr im Boden — weil es offenbar nicht auf natürlichem Weg abfließen könne.

Das Versicherungsunternehmen könne sich auch nicht auf den Haftungsausschluss in den Versicherungsbedingungen berufen, um der Zahlung zu entgehen. Demnach seien Schäden nicht versichert, "die auf ein durch Naturgewalten veranlasstes Verhalten des Fahrers zurückzuführen sind". Das träfe z.B. zu, wenn ein Autofahrer, um einer Überschwemmung auszuweichen, das Lenkrad herumreiße und gegen einen Baum fahre. Im konkreten Fall habe aber die Überflutung nicht den Fahrweg beeinflusst. Der Autofahrer habe nur das Gas weggenommen. Nicht sein Fahrverhalten, sondern die Naturgewalt Wasser habe die Schäden am Fahrzeug verursacht.