Balkon aus Gefälligkeit abgedichtet?

Dachdecker versucht, mit diesem Argument Gewährleistungsansprüche abzuwehren

onlineurteile.de - Hauseigentümer forderten Schadenersatz vom Dachdecker, der ihr Hausdach renoviert und den Balkon abgedichtet hatte. Die Werkleistungen seien mangelhaft, warfen sie ihm vor. Der Handwerker habe Zinkabdeckungen falsch angebracht, die Unterkonstruktion unter den Abdeckungen sei ebenfalls nicht fachgerecht. Er hätte "nicht brennbare Spanplatten" verwenden müssen. Ein Bausachverständiger schätzte, es werde rund 4.700 Euro kosten, die Mängel zu beseitigen.

Der Dachdecker behauptete dagegen, er habe vollkommen korrekt gearbeitet. Die Spanplatten im Dach seien wasserundurchlässig und schwer entflammbar. Für eventuelle Mängel am Balkon müsse er nicht einstehen. Den habe einer seiner Mitarbeiter wohl nebenbei — parallel zu den bezahlten Leistungen — "ohne Rechnung" abgedichtet. Aus einer Gefälligkeit könne der Hauseigentümer keinen Anspruch auf Gewährleistung für Mängel ableiten.

Damit kam der Handwerker beim Oberlandesgericht (OLG) Koblenz nicht durch (5 U 384/13). Laut Sachverständigengutachten erforderten die Fachregeln bei der Dachabdeckung eine Unterkonstruktion aus nicht brennbaren Spanplatten, so das OLG. Sie böten besseren Brandschutz als "schwer entflammbare" Platten. Die beiden Eigenschaften seien jedenfalls nicht gleichzusetzen, wie der Dachdecker meine. Daher sei die Dachabdeckung mangelhaft.

Der Dachdecker könne sich der Gewährleistung auch nicht mit der Behauptung entziehen, bei den Arbeiten am Balkon habe es sich "nur" um eine Gefälligkeit gehandelt. Selbst wenn das zuträfe (was der Auftraggeber entschieden bestreite): Auch bei kostenloser Werkleistung könne eine vertragliche Bindung vorliegen, die Gewährleistungsansprüche nach sich ziehe.

Das liege insbesondere dann nahe, wenn sich der Begünstigte, hier also der Hauseigentümer, erkennbar auf die Leistung verlassen habe und wenn für ihn erhebliche Werte auf dem Spiel stehen. Gemessen an diesem Maßstab, könne man hier keine Gefälligkeit annehmen, die Gewährleistungsansprüche ausschließe. Dass für den Auftraggeber ein hoher Betrag auf dem Spiel stehe, sei dem Sachverständigengutachten zu entnehmen. Immerhin gehe es über 4.000 Euro.

Letztlich sei das Argument "Gefälligkeit" wohl nur eine Schutzbehauptung des Dachdeckers, um diese Forderung abzuwehren. Am Balkon habe ein Mitarbeiter gearbeitet, der auch die entgeltlichen Arbeiten am Dach ausführte und aussagte, dass ihn der Hauseigentümer auch mit der Balkonabdichtung beauftragt habe. Einen nachvollziehbaren Grund, warum die Werkleistung am Balkon nicht berechnet wurde, habe der Handwerker nicht angeben können.