Balkon stürzte nach 38 Jahren ab

Drei Tote: Bauunternehmer der fahrlässigen Tötung beschuldigt

onlineurteile.de - Im Sommer 2005 brach plötzlich die Bodenplatte eines Balkons ab. Der Balkon stürzte aus dem ersten Stock auf eine Terrasse des Mehrfamilienhauses. Drei Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, drei wurden schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft Mannheim warf dem Bauunternehmer - der das Haus 1967 gebaut hatte - fahrlässige Tötung und Körperverletzung vor: Die Baufirma habe damals pflichtwidrig keine (statisch notwendige) Zugbewehrung eingebaut.

Zum Strafprozess kam es jedoch nicht, weil die Justiz es ablehnte, ein Verfahren zu eröffnen. Verstöße gegen die Sorgfaltspflichten seien nach so langer Zeit schwer nachzuweisen, erklärte das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe (3 Ws 216/07). Jedenfalls fehlten Anhaltspunkte dafür. Wäre es anders, hätte der Bauunternehmer allerdings mit strafrechtlichen Folgen rechnen müssen - 38 Jahre nach dem Bau. Denn die Verjährungsfrist für fahrlässige Tötung beginne erst mit der Tötung zu laufen (hier also: mit dem Absturz des Balkons).

Ein Bauunternehmer müsse Mitarbeiter und Subunternehmer sorgfältig auswählen und überwachen, so das OLG. Komme er dieser Pflicht nach, dürfe er sich darauf verlassen, dass diese ihre Aufgaben richtig erledigten. Außer es gebe konkrete Anhaltspunkte für Fehler - was hier wohl nicht zutreffe.

Nach diesen Kriterien sei der Vorwurf fahrlässiger Tötung und Körperverletzung unhaltbar: Der Bauunternehmer habe qualifiziertes Personal eingesetzt. Indizien dafür, dass er die Baustelle fehlerhaft organisiert und überwacht hätte, gebe es nicht. Warum 1967 keine (oder eine grob fehlerhafte) Zugbewehrung eingebaut wurde, sei letztlich nicht mehr aufzuklären.