Bambuswurzeln unterwandern Garten

Hausverkäufer hätten die Käufer darüber aufklären müssen

onlineurteile.de - Im Februar 2008 erwarb Ehepaar A von Ehepaar B ein Hausgrundstück. Im Kaufvertrag wurde die Gewährleistung für Mängel ausgeschlossen — außer für den Fall, dass die Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen. Unübersehbar wuchs im Frühling ein "Mangel" aus dem Boden: Der Garten war komplett von Bambuswurzeln durchzogen. Wurzeltriebe drangen bereits in die Terrasse und in die Wärmedämmschicht des Hauses ein.

Bambuspflanzen und ihr robustes Wurzelwerk zu beseitigen, ist schwierig und arbeitsintensiv. Die Hauskäufer mussten den Garten und die Terrasse völlig neu anlegen. Dafür gaben sie rund 16.000 Euro aus und verklagten anschließend das Ehepaar B auf Schadenersatz. Einen Teil des Betrags müssen die Verkäufer übernehmen, urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf, über dessen Höhe müsse die Vorinstanz entscheiden (I-21 U 82/13). Es sei allgemein bekannt, wie aggressiv Bambuswurzeln wucherten, so dass sie den Wuchs aller anderen Pflanzen beeinträchtigten.

Wenn Bambus das gesamte Erdreich durchwuchere, entspreche das Grundstück nicht der Beschaffenheit, die Käufer erwarten könnten. So könnten sie den Garten nicht nach ihren Plänen gestalten. Wurzeln hätten zudem die Bausubstanz des Gebäudes angegriffen, was einen erheblichen Mangel darstelle, der den Wert der Immobilie schmälere. Hätten die Kaufinteressenten davon gewusst, hätten sie den Vertrag wohl nicht (oder nur mit geringerem Preis) unterschrieben.

Für die Folgekosten hafte das Ehepaar B, weil es den Käufern den Mangel arglistig verschwiegen habe. Da die Interessenten das Grundstück im Winter besichtigten, konnten sie das weit verzweigte Bambuswurzelwerk im Erdreich nicht erkennen. Daher hätten die Verkäufer diesen Umstand offenlegen müssen. Wenig glaubwürdig ihre Behauptung, selbst nichts bemerkt zu haben — das Phänomen könne ihnen unmöglich entgangen sein.

Immerhin hätten sich die Wurzeln überall in der Erde bis hin zum Haus verbreitet und seien an vielen Stellen "aufgetaucht". Die Hausbesitzer müssten sie im Laufe der Jahre mehrfach abgeschnitten und abgemäht haben. Teilweise fingerdicke Bambustriebe seien durch die Fugen zwischen den Terrassensteinen gedrungen — und auch über die Grundstücksgrenzen in die Gärten der Nachbarn weiter gewachsen. Darüber habe es einige Male Streit mit den Nachbarn gegeben.