Baufirma verstößt gegen Sicherheitsvorschriften

Lastenaufzug ungesichert: Querschnittsgelähmter Bauarbeiter klagt nach Unfall auf Schmerzensgeld

onlineurteile.de - Eine Baufirma B. erstellte als Generalunternehmerin einen Rohbau. Während ihre Mitarbeiter Einschalungsarbeiten durchführten, begann gleichzeitig Subunternehmer D. damit, das Dach zu decken. Als erstes stellten die Dachdecker einen Pionier-Aufzug auf, um ihre Materialien auf das Dach zu transportieren. Einer der Dachdecker schaffte mit dem Aufzug einen 20 kg schweren Karton nach oben. Oben angekommen, fiel der Karton von der Ladefläche des Aufzugs - und traf einen Bauarbeiter der Firma B., der sich gerade nach einem Einschalungsbrett bückte. Der Mann wurde an der Wirbelsäule so schwer verletzt, dass er von der Hüfte an querschnittsgelähmt blieb.

Er verklagte Firma D. auf Schmerzensgeld. Deren Geschäftsführer verteidigte sich: Der Arbeiter hätte sich nicht unterhalb des Aufzugs aufhalten sollen. Aufzüge ohne seitliche Gitter einzusetzen und die Ladung nicht zusätzlich zu sichern, sei am Bau gängige Praxis. Dieses Argument überzeugte das Oberlandesgericht Hamm keineswegs (6 U 62/05). Nach den Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft seien Lasten auf Aufzügen so zu befestigen, dass sie nicht abstürzen könnten (z.B. am Lastaufnahmeschlitten). Diese Vorschriften habe die Dachdeckerfirma anscheinend gewohnheitsmäßig ignoriert.

Den verunglückten Arbeiter treffe kein Mitverschulden, stellten die Richter fest. Als er durch die Türöffnung aus dem Rohbau nach draußen ging, sei der Aufzug nicht mehr in Bewegung gewesen. Außerdem müssten Bauarbeiter nicht ständig alle erdenklichen Gefahrenquellen am Bau selbst beobachten. Jeder müsse sich darauf verlassen können, dass alle Beteiligten die Unfallverhütungsbestimmungen einhielten.

Firma D. wurde dazu verurteilt, dem Bauarbeiter 200.000 Euro Schmerzensgeld und eine monatliche Rente von 200 Euro zu zahlen.