Baumschutz vs. Kinderschutz

Wenn giftige Beeren Kleinkinder gefährden, darf eine geschützte Eibe gefällt werden

onlineurteile.de - Die Familie mit zwei kleinen Kindern (ein und drei Jahre alt) wohnte in einem Haus mit kleinem Garten. In diesem Garten stand eine schöne alte Eibe. Trotzdem wollten die Bewohner den Baum beseitigen. Denn Beeren und Nadeln von Eiben sind giftig, deshalb fürchteten die Eltern um ihre Kinder. Wenn sie Beeren oder Nadeln in den Mund nähmen und schluckten, drohe Gefahr für Leib und Leben - so begründeten die Eltern ihren Antrag an die Stadt Aachen, den Baum fällen zu dürfen.

Das war alles andere als selbstverständlich, denn der Baum war (laut kommunaler Baumschutzsatzung) geschützt. Die Kommune lehnte den Antrag denn auch ab und schlug den Eltern vor, den Baum mit einem Netz zu umhüllen. So könnten sie das Risiko mindern. Doch die Eltern setzten sich beim Oberverwaltungsgericht Münster durch (8 A 90/08).

Der Baum müsse weg, entschieden die Richter. Die Eibe sei eine giftige Pflanze, die von den Eltern beschworene Gefahr also objektiv gegeben. Sie hätten ein berechtigtes Interesse daran, den eigenen Garten als "geschützten Raum für ihre Kinder" zu nutzen.

Die Vorschläge der Stadt, wie man die Gefahr eindämmen könnte, seien unrealistisch bis unzumutbar. Würde man um den Baum herum eine Absperrung errichten, wäre ein beträchtlicher Teil der ohnehin kleinen Spielfläche für die Kinder verloren. Die Eibe nur mit einem Netz zu umhüllen, halte die Kleinkinder nicht wirklich fern und mindere das Risiko nur unwesentlich.