Bautrupp legt Stromversorgung lahm

Muss sich ein Bauunternehmer beim kommunalen Energieversorger nach dem Verlauf von Versorgungsleitungen erkundigen?

onlineurteile.de - Eine Brandenburger Hauseigentümerin beauftragte einen Bauunternehmer, auf ihrem Grundstück eine Anlage zur Regenentwässerung anzulegen. Die Mitarbeiter des Bauunternehmens legten per Hand die Hausanschlussleitung frei und prüften deren Verlauf. Auf ihre Nachfrage versicherte der Ehemann der Eigentümerin, ansonsten seien auf dem Grundstück keine Versorgungsleitungen verlegt. Im Grundbuch stehe dazu nichts. Daraufhin setzten die Arbeiter für Grabungsarbeiten einen Bagger ein, mit durchschlagendem Erfolg.

Tatsächlich lag dort doch eine Leitung, nämlich das Strom-Hauptversorgungskabel des kommunalen Energieversorgers - fünf Meter von Grundstücksgrenze und Straße entfernt. Der Bagger beschädigte das Kabel so, dass eine Stunde lang im ganzen Ort der Strom ausfiel. Die Klage des Stromversorgers gegen den Bauunternehmer auf Schadenersatz wurde vom Bundesgerichtshof abgewiesen (VI ZR 33/05).

In einem solchen Abstand zur Straße müsse der Bauunternehmer nicht mit "wilden" Versorgungsleitungen auf privatem Grund rechnen, zumal sich in Grundstücksnähe auch kein Trafohaus als Hinweis auf Leitungen befinde. Wenn es keinerlei Anhaltspunkte für unterirdisch verlegte Versorgungsleitungen auf dem betreffenden Grundstück gebe, sei der Bauunternehmer nicht verpflichtet, vor Grabungsarbeiten Nachforschungen beim kommunalen Energieversorger anzustellen. Die Arbeiter hätten den Bagger erst eingesetzt, als der Ehemann der Eigentümerin ihre Frage nach weiteren Leitungen verneinte. Auf diese Auskunft hätten sie sich verlassen dürfen.