Beamter jobt nebenbei als Opernstatist

Ist das künstlerische Tätigkeit oder muss er die Einnahmen versteuern?

onlineurteile.de - In der Freizeit ging der Beamte einem exklusiven Hobby nach. Er war nebenbei als Statist an der Oper beschäftigt und trat in der "Zauberflöte" auf, im "Rosenkavalier" usw. In der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2001 gab er an, er habe als Komparse in 61 Vorstellungen 2.300 DM verdient. Die Summe zähle ja wohl nicht zum zu versteuernden Einkommen. (Hintergrund: Einnahmen aus nebenberuflicher Tätigkeit als Künstler sind steuerfrei bis zur Höhe von 3.600 DM, heute: 1.848 Euro.)

Doch die Finanzbeamten sahen das anders: Statisten seien keine Künstler, da fehle es an "eigenschöpferischer Leistung", fanden sie. Deshalb müsse der Beamte das zusätzliche Einkommen versteuern. Finanzgericht und Bundesfinanzhof (BFH) stuften die Leistung eines Statisten höher ein (XI R 21/06).

Auch ein Komparse könne - anders als ein Bühnenarbeiter - eine künstlerische Tätigkeit ausüben, indem er als Teil des künstlerischen Gesamtgeschehens mitwirke und die Künstler unterstütze, so der BFH. Ein Statist sei ein Schauspieler und keine mechanisch funktionierende "menschliche Requisite".

Daher sei der Nebenjob des Beamten als steuerfreie künstlerische Nebentätigkeit anzuerkennen. Der Gesetzgeber habe die Einnahmen aus nebenberuflicher künstlerischer Tätigkeit von der Steuer befreit, um insbesondere die Arbeit der im kulturellen Bereich tätigen gemeinnützigen Vereine zu fördern. Deren künstlerisches Niveau sei auch nicht immer auf der Höhe professioneller künstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten.