Bei 200 Sachen am Infotainment-System herumgefummelt

Automieter muss den grob fahrlässig verschuldeten Schaden am Mietauto zur Hälfte tragen

onlineurteile.de - Herr X hatte für eine Reise einen Mercedes Benz CLS 63 AMG gemietet. Mit dem flotten Auto war er auf der Überholspur der Autobahn sehr flott unterwegs (mit mindestens 200 km/h, wie später im Unfallgutachten zu lesen war). Gleichzeitig bediente der Mann das Infotainment-System, um Informationen abzurufen. In diesem Moment kam er von der Fahrbahn ab und krachte mit dem Mercedes gegen die Mittelleitplanke. Bei dem Unfall wurde der Mietwagen schwer beschädigt.

Mit dem Autovermieter hatte Autofahrer X für den Schadensfall beschränkte Haftung ohne Selbstbeteiligung vereinbart. Dabei behielt sich das Unternehmen laut Vertrag vor, teilweise Schadenersatz zu verlangen, falls das Mietfahrzeug grob fahrlässig beschädigt werden sollte. Das treffe hier zu, meinte der Autovermieter. Er forderte von X die Hälfte der Reparaturkosten, fast 12.000 Euro.

Zu Recht, entschied das Oberlandesgericht Nürnberg (13 U 1296/17). Eine Geschwindigkeit von 200 km/h bedeute schon für sich genommen hohes Gefahrenpotenzial. Bei einer Kollision sei die Wucht des Aufpralls doppelt so hoch wie bei 130 km/h. Schon kleinste Fahrfehler könnten da zu schweren Unfällen führen. Je höher die Geschwindigkeit, desto mehr müsse sich der Fahrer auf das Lenken des Fahrzeugs konzentrieren.

Auch eine nur kurze Ablenkung stelle bei 200 km/h ein hohes Risiko dar. Bei dieser Geschwindigkeit seine Aufmerksamkeit auch nur für Sekunden auf das Infotainment-System zu richten, sei eine schwere und unentschuldbare Pflichtverletzung. Grob fahrlässig habe Herr X mit diesem Verhalten einen Unfall geradezu provoziert. Daher müsse er sich an den Reparaturkosten in der vom Autovermieter geforderten Höhe beteiligen.